blogage.de > mendozablog > Martin und Michi in Mendoza: True Story!
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Nach langer Zeit mal wieder was Neues aus Mendoza. Unser Semester ist mittlerweile erfolgreich zu Ende gegangen und wir sind viel am Rumreisen in Südamerika. Ich werde versuchen mich kurzzufassen und verweise auf die anstehenden Bilderabende, die Mike und ich nach unserer Rückkehr sicherlich anbieten werden.

WG

Die Kolumbianerinnen sind (endlich) ausgezogen und mittlerweile wohnt der Franzose Tanguy bei uns im 3. Zimmer. Er ist ebenfalls fröhlich am Rumreisen (Paraguay, Brasilien...).

Buenos Aires

Ende November kam ein Freund von mir, Manu(el), mich hier in Argentinien besuchen, für insgesamt 4 Wochen. Wir haben uns, zusammen mit Mike, in Buenos Aires getroffen. Die Stadt und vor allem ihr Nachtleben ist der Hammer. Zu dritt haben wir dies voll ausgekostet und einige lustige Abende erlebt. Manu und ich waren bei einem Boca Juniors Fußballspiel (2:1) und haben noch spontan eine Nacht drangehangen. Wir haben Reisende aus aller Welt getroffen: England, Australien, Neuseeland, Kuba, Schweiz (ja, er hat seeeehr langsam geredet), Brasilien, USA, Chile, Holland... usw. Vor allem die Brasilianer waren von uns beeindruckt und werden uns gut in Erinnerung behalten ("Roooland!?!"), ebenso das freundliche Hostel Staff (2x verspäteter Check-out).

Uni

Nach Rückkehr aus Buenos Aires standen noch unsere 3 mündlichen Abschlussprüfungen an, sowie die dazugehörigen 2 Hausarbeiten und eine Präsentation. Wir haben alles gut bestanden, 2 von 3 mit Bestnote 10. Da wars auf einmal Mittwoch, 1. Dezember, und das ganze Auslandssemester auf einem Schlag vorbei. Was jetzt? Ferien. Freiheit. Bereit für die nächsten Reiseabenteuer.

Abschied

Das Semesterende hieß zugleich Abschied nehmen von den anderen "Internationals". Bei einer letzten Feier in der Kanarenvilla sagte jeder jedem Adios bzw. Auf Wiedersehen. T-Shirts und Argentinienfahnen wurden mit gemeinsamen Erinnerungen und Danksagungen beschrieben, bevor es wieder in die jeweilige Heimat geht.

80kg de Huevos (Fußball)

Die letzten 2 Spieltage, an denen ich noch dabei sein konnte, waren sehr ereignisreich. Das 1. haben wir 5:1 gewonnen, und da ich dachte, es wäre mein letztes Spiel, habe ich mich unmittelbar nach dem letzten Tor und vor dem Schlusspfiff bei Standing Ovations auswechseln lassen.

Mein endgültiges Abschiedsspiel lief nicht so wie gewollt. Beim Spiel davor auf einem Nachbarfeld wurde der Schiri (nach u.a. ca. 4 Platzverweisen) von beiden Teams gejagt, weil er wohl nicht ausreichend Nachspielzeit hat laufen lassen. Der ist gerannt wie ein Hase.

Bei unserem Spiel hat ein Mitspieler aus kürzester Distanz einen Volleyschuss direkt ins Gesicht bekommen, lag eine gefühlte Ewigkeit bewusstlos auf dem Boden und alle dachten schon das Schlimmste. Nach einer halben Minute konnte er sich wieder aufrichten, wurde aber vorsichtshalber trotzdem ins Krankenhaus gebracht. Es geht im aber schon wieder gut und er hat auch schon wieder gekickt.

Ich selber kam gerade besser ins Spiel, nachdem der starke Gegner losgelegt hatte wie die Feuerwehr, als ich in einer 1 gegen 1 Situation das Nachsehen hatte. Die Grätsche vorm Strafraum konnte den gegnerischen Stürmer nicht bremsen, dessen Schuss wurde zwar pariert, doch den Nachschuss konnte er verwandeln. 0:1. Pech. Und dann gleich, wie verabredet, ausgewechselt, sodass ich meinen Bus nach Bariloche noch bekommen konnte. Ein Abschied mit fadem Beigeschmack. Im Endeffekt wurde im Endspiel im Elfmeterschießen der Titel denkbar knapp verpasst, dennoch war es eine tolle Saison für alle Beteiligten.

Bariloche

Am selbigen Abend begann Manu´s und mein Bariloche/Chile-Trip. 17,5 h mit dem Bus in den Süden nach Bariloche. Tolle Seenlandschaften. Eine 7-Seen-Ganztagestour haben wir fast verschlafen. Alles landschaftlich sehr schön. Auf einem Hügel durften wir einen Ausblick genießen, der von „National Geographic“ als einer der Top 10 Views weltweit ausgezeichnet wurde.

Puerto Montt

7 Stunden weiter westlich, in Chile, in Puerto Montt angekommen. Dort ebenfalls 2 Nächte bei Sebastian (chilenischer Kommilitone aus Schwenninger Zeiten) und seinen netten Eltern (beide Lehrer) übernachtet. Nationalpark besucht, Vulkan war etwas von Wolken bedeckt. Mit seinem Vater beim Angeln gewesen, und beim allerersten Versuch (=nach ca. 10 Sekunden) einen relativ großen Lachs gefangen. Danach kein Glück mehr, aber den Lachs gab es zum nächsten Mittagessen, standardgemäß mit chilenischem Weißwein (am Tag davor gab’s u.a. Muscheln, P. Montt ist für seinen Hafen/Fischfang bekannt). Letzter Tag sehr regnerisch.

Valparaiso

Über Santiago nach Valparaiso, an die pazifische Küste. Hübsche Stadt (2. größte Chiles) mit Hügeln und ca. 15 nostalgischen Seilbahnen. Nach einer Nacht ging’s in den Nachbarort Viña del Mar.

Viña del Mar

Im Hostel, mit Meerblick, ausgepackt und an der Strandpromenade zum Strand gelaufen. Erste Mal im Pazifik gebadet. Ich bin reingerannt, kopfüber reingesprungen und kurz geschwommen. Wasser kalt. Manu hat sich erst noch ein Handtuch gekauft („1. Souvenir im Urlaub“) und war dann, allerdings weniger mutig, auch mal im Wasser. Abends „Parrillada“ (Grill mit Rindfleisch, Würsten, Hühnchen, Ribs…) gegessen, war (bis auf Blutwurst und evtl. Innereien) lecker und reichlich (eigtl. wie all you can eat). Mussten anschließend erst mal Feiern/Tanzen gehen, zum Verdauen natürlich.

Santiago de Chile

Dank Frühstückstipp von einer Brasilianerin im Bellavista Hostel gelandet. Von Onlinebuchern als Nr. 1 Hostel in ganz Lateinamerika bewertet, zu Recht! In Santiago wieder auf den Cerro San Cristobal hoch, mit der Statue und dem besten Ausblick auf die Stadt. Abends dann kurz mit dem Mexikaner Ramiro verabredet und getroffen, ebenfalls ein Freund aus Schwenninger Zeiten.

Am Folgetag gings für Manu zum Flughafen, zurück ins eiskalte Deutschland, und für mich per Bus nach Mendoza, die Strecke über die Anden war sehr beeindruckend.

Montevideo/Iguazu

Mike ist zurzeit in Montevideo, seinen Schulfreund Andi besuchen, danach gehen sie nach Iguazu, zu den mächtigen Wasserfällen. Laut seinen letzten Auskünften scheint es ihm dort sehr gut zu gefallen.

Family Reunion

Am Freitag kommen meine Eltern und am Sonntag meine Schwester, nach ein paar Tagen in Mendoza geht’s dann in den Norden nach Salta/Tucuman, Iguazu, Buenos Aires und Montevideo. Freu mich drauf.

VfB Stuttgart

So viel Spaß wir hier in Mendoza auch hatten, die meisten trübsalblasenden Neuigkeiten aus der Heimat kamen vom Verein für Bewegungsspiele. Wir hoffen ernsthaft, nach so viel Bewegung auf dem Trainerstuhl, das der schöne Bruno jetzt zweimal die Bauern aus München schlägt und anschließend im Abstiegskampf die Kurve kriegt. Eins von beiden wird passieren.

Letzter Blogpost

Der allerletzte Blogpost aus Mendoza wird in ca. 1 Monat gepostet, und in Englisch sein. Inhalt: All the things we are going to miss about Argentina/Mendoza, sowie eine Zusammenfassung unserer Reisen und der damit verbundenden Beobachtungen/Erlebnisse.

Frohe Weihnachten

Aufgrund der hiesigen Hitze kaum vorstellbar, jedoch sagt mir mein Kalender das in 9 Tagen Weihnachten ist. In diesem Sinne, allen Bloglesern eine schöne, besinnliche Weihnachtszeit und schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011.

 

Saludos, Mike und Martin

Oh, wie schön ist Córdoba! Es folgt: Eine Ode an die Stadt Córdoba.

Córdoba I

Am 6. Oktober stand unsere nächste große Reise an. 2 Stunden nach der abendlichen Vorlesung waren wir bereits am Busterminal. Ziel: Córdoba.

Dort sind wir am nächsten morgen auch gut angekommen, nach etwa 10 Stunden Fahrt. Da wir vorab noch keins gebucht hatten, ging es erstmal auf Hostelsuche. Beim 1. Versuch gab es einen unfreundlichen Korb, beim 2. wurde uns freundlich geholfen und 3 in der nähe liegende Hostels auf der Stadtkarte eingezeichnet. Die Hostelsuche war deswegen so schwierig, weil aufgrund des stattfindenden Oktoberfestes die meisten ausgebucht waren.

Beim 1. Tipp gab es schließlich ein freies, preiswertes 3er Zimmer. Nachdem die anderen 2 Hostels belegt waren oder nichts besseres bieten konnten, haben wir uns für dieses Hostel für unsere Aufenthaltsdauer entschieden. Die netten Hostelbetreiber haben noch schnell aus einem Einzel- ein Stockbett gemacht. Der 3. Mitbewohner, wurde uns erklärt, wohnt permanent dort und studiert Architektur, was man bereits an herumliegenden Modellen erkennen konnte.

Nach kurzem Auspacken gings per Fuß ins Stadtzentrum. Bei einem gemütlichen Kaffee wurden die Passanten gemustert. Sogleich fiel uns die unwahrscheinlich hohe Anzahl von attraktiven Frauen auf. Wie bei einem Tennisballwechsel wurden uns die Köpfe verdreht. Von links eine Schönheit, von rechts eine Traumfrau, eine nach der anderen. An dieser Stelle wird eine Erklärung notwendig: Córdoba ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Argentiniens. Da es in der Stadt 6, 7 große Universitäten gibt, sind eine Großzahl davon Studenten. Deswegen wird Córdoba auch Studentenhauptstadt genannt. Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Wenn man nun annimmt, die Hälfte der Studenten sind weiblich, kann man sich recht schnell die Zahl der schönen Frauen in ungefähr unserem Alter errechnen, die auf den Straßen Córdobas unterwegs sind.

Nach der Stärkung begann das Kulturprogramm. Erster Anlaufpunkt war eine Ausstellung in Andenken an die "Desaperecidos". Dies bezieht sich auf die "verschwundenen" Menschen, damals noch Babys, die während des schmutzigen Krieges und der argentinischen Militärdiktatur Anfang der 80er Jahre ihren leiblichen Müttern weggenommen wurden. Das Museum, an einem Originalort der damaligen Geschehnisse, war etwas bedrückend, jedoch auch interessant, da es nunmal einen Teil der Landesgeschichte dokumentiert.

Weiter gings mit dem Plaza San Martín und der Kathedrale. Insgesamt gibt es unzählige Kirchen, weshalb Córdoba auch die Stadt der Glocken genannt wird. Alles ist sehr schön anzusehen. Zu Fuß sind wir weitere Sehenswürdigkeiten, Plätze und Kirchen abgelaufen. Die Architektur und das Stadtbild, alte Kirchen verbunden mit der Moderne, ist sehr beeindruckend.

Geschafft von der Stadttour haben wir uns abends auf unserem eigenen Zimmerbalokn niedergelassen und einen mitgebrachten mendozinischen Rotwein verköstigt, Mike hat sogar die Höchstnote vergeben! Obwohl die angrenzende Straße nicht sehr belebt war, kamen im Minutentakt wieder schöne Studentinnen von links und rechts. Nebenher habe ich ihm Offiziersskat erklärt und beigebracht, was wir an den Folgetagen dann auch weiterhin fleißig gespielt haben. Unseren "Mitbewohner" haben wir kurz zu Augen bekommen, jedoch hat er die gesamte Aufenthaltsdauer nie in seinem Bett übernachtet. Ob er bei der Freundin oder bei Studienkollegen untergebracht war, kann man nur spekulieren, uns wars in jedem Fall recht.  

Am Folgetag haben wir den Parque Sarmiento besucht. Wie alles andere auch, hat uns der Park sehr gut gefallen. Eine richtige Erholungsoase mit künstlichem See und 2 begehbaren Inseln in der Parkmitte. Dort haben wir ein paar alberne Fotos gemacht und die Natur genossen. Vereinzelt saßen Argentinier in kleinen Gruppen oder auch nur zu zweit herum und haben den landestypischen Mate getrunken.  

Anschließend war ich noch im "Museum de bellas artes", dem temporären Kunstmuseum der Stadt. In einem coolen Klamottenladen, Inside®, habe ich mir gleich 3 T-Shirts geleistet. Der erste Kleidereinkauf in Argentinien, nach 2,5 Monaten, der nichts mit Fussballbekleidung/-ausrüstung zu tun hatte.

Abends sind wir nur "kurz" weggegangen, da ja am Folgetag der Oktoberfestbesuch auf dem Programm stand. Währenddessen haben wir mit den Mexikanerinnen und unseren 2 Kolumbianerinnen, die mittlerweile nachgereist waren, per SMS kommuniziert. Als wir sie dann zu unserer Bar/Disco gelotst hatten, wollten sie den mittlerweile fälligen Eintritt nicht bezahlen und sind wieder abgedampft. Ohne Worte.

Oktoberfest

Nach den letztendlich doch nur recht kurzem Schlaf gings früh morgens, um halb 10, per Bus nach Villa General Belgrano, Fahrtdauer knapp 2 Stunden. In unseren Deutschlandtrikots, ohne die sommerliche Meisterleistung gegen Argentinien vergessen zu haben, freuten wir uns auf ein Stück Heimat! Und wir wurden nicht enttäuscht. Kurz vor Ankunft gab es für einen der Mitstreiter noch ein Konterbier, allerdings von einer holländischen Marke.

Beim Aussteigen bekamen wir ein alpines Bergdorf zu sehen. Villa General Belgrano wird vornehmlich von Nachkommen deutscher, Schweizer und norditalienischer Einwanderer bewohnt - unter anderem von Überlebenden des im Zweiten Weltkrieg in Argentinien versenkten Kriegsschiffes Graf Spee - und gilt deshalb als „alpine Enklave“ in Argentinien. Es war auf jeden Fall typisch deutsch und wir fühlten uns sofort heimisch.

Nach einem Mittagessen sind wir Richtung Festgelände gelaufen. Auf einem Schild und schließlich im Laden hab ich doch tatsächlich "Dresdner Stollen" entdeckt. Kurz vorm Eingang fing gerade ein Umzug an. Alle möglichen Nationen, bayerisch mit Trachten, Italien, Schotten, Griechen, Schweizer präsentierten Europa, hinzu kamen noch Bauchtänzerinnen aus dem Orient.

Danach sind wir aufs eigentliche Festgelände. Der Eintritt, sowie nachher auch die Bierpreise, waren recht teuer, wie in der Heimat eben auch, aber wie oft ist man schon als Deutscher auf dem argentinisch-deutschen Oktoberfest? Von Beginn an waren viele Gäste und Touristen da, hinzu kam noch das es das letzte Wochenende des diesjährigen Fests war.

Um in den wohlverdienten Biergenuss zu kommen, mussten wir uns jeder noch einen eigenen Bierkrug erstehen. Dann gings aber auch schon los. Auf einer großen Bühne lieferten die vorigen Nationen und Tanzgruppen nacheinander ihre Künste ab. Alles fand unter freiem Himmel statt, keine Bierzelte, und statt Bierbänken gab es vor der Bühne weiße Plastikstühle. Um die Bühne herum waren kreisförmig die verschiedenen Bierstände von den verschiedensten Marken (u.a. Warsteiner, Duff, Viejo Munich ("Alt-München"), Isenbeck...). Nachmittags gab es noch den "offiziellen" Fassanstich auf der Bühne, wo dann alle mit ihren leeren Bierkrügen nach vorne gedrängt haben, nur um ein paar Tropfen flüssiges Gold zu erhaschen.

Die Stimmung war zu jeder Zeit ausgelassen, entspannt und unterhaltsam. Als richtige Deutsche, inklusive Trikots, waren wir natürlich das Highlight. Die erleichterte Kontaktaufnahme resultierte in vielen verschieden Schnappschüssen mit Argentinierinnen. X-mal durften wir erzählen, das wir in Mendoza studieren und was wir in Córdoba machen und wie es uns gefällt. Aber das nahmen wir gerne in Kauf.  

So nahm das Fest seinen Lauf, abends trafen wir sogar noch andere deutsche Austauschstudenten aus Buenos Aires sowie die Amerikanerinnen, die an unserer Uni in Mendoza studieren und die wir das letzte Mal bei der Einführungsveranstaltung gesehen hatten (andere Studiengänge). Per Zufall sind mir dann noch die 2 Mexikanerinnen und Dani und Sammy über den Weg gelaufen. Mit Priscila und Vero hab ich vor der Rückfahrt noch was gegessen, dann sind wir zusammen zum Busterminal, allerdings hatten sie einen anderen Bus bzw. anderes Unternehmen.

Wiederum zufällig war ich dann im selben Bus mit den Amerikanerinnen. In der letzten Reihe habe ich mich mit einer ganz nett und ausgiebig unterhalten, wobei mein Englisch erschreckend eingerostet war und ich öftermals spanische Bindewörter benutzt habe, der Gewohnheit halber. Dann setzte sich die Reihe meiner außergewöhnlichen Busfahrterlebnisse in Südamerika fort. Nachdem ich bereits auf der Rückfahrt von Bolivien nach Mendoza einen gewissenen Zeitraum neben einer ihr Kleinkind stillendes bolivianischen Mutter verbringen musste, begann die Amerikanerin diesmal über Bauchschmerzen zu klagen. Nach kurzer Rückfrage, ob es sehr ernst ist und sie das Gefühl hat, das sie brechen muss, gab ich ihr geistesgegenwärtig eine mitgebrachte Tüte von mir, die sie gefühlte 2 Sekunden später sogleich auch vollspeite. Somit saß ich mal wieder leicht verlegen im Bus, wobei es ihr sicherlich deutlich unangenehmer war in dieser Situation. Ihre Freundinnen, bzw. die eine die nicht schlief, fragte auch nach ihrem Wohlergehen. Daraufhin erklärte sie, das sie Diabetikerin ist und auf der Reise ihre Medikamente nicht dabei hatte oder sie nicht so angeschlagen haben. Zusammen mit der Ernährung tagsüber kam es dann zur oben beschriebenen Reaktion.   

Im Hostel traf ich dann Mike, der wohl schon einen früheren Bus genommen hatte, und berichtete ihm von dem Vorfall. Alles in allem jedoch, da waren wir uns einig, ein äußerst erfolgreicher und unterhaltsamer Oktoberfestbesuch, die argentinische Version steht dem deutschen Original in nichts nach!  

Córdoba II

Nach dem Ausschlafen und der durch die Siesta stark erschwerte Nahrungssuche (Restaurants und Imbisse geschlossen) blieb noch genug Zeit für das abendliche Kulturprogramm. Die wichtigen Sehenswürdigkeiten hatten wir im Vorfeld ja bereits gesehen. Die Mädels hatten uns auch wieder gesimst, um zusammen was zu unternehmen. Also haben wir ihnen mitgeteilt, das wir 18 Uhr an der Universidad Nacional de Córdoba sind, mitten im Zentrum, die älteste Uni Argentiniens. Antwort-SMS: "Wo ist die?" Dies löste Kopfschütteln und Unverständnis bis hin zu Ungläubnis bei uns aus. Wie können 4 spanischsprechende Mädels das nicht herausfinden? Wozu gibt es Stadtpläne, Touristeninformationen?? Mike wollte dann auf sie warten und um 18 Uhr die geführte Tour machen, während ich in ein weiteres Kunstmuseum enteilt bin, dieses mit Werken vom 19. Jahrhundert bis heute, meistens von regionalen, berühmten Künstlern.

Zurück an der Uni war die Tour gerade zu Ende, von den Mädels natürlich keine Spur, stattdessen wieder eine Gruppe Deutsche, die, in ganz Argentinien verteilt, ihr freiwilliges soziales Jahr machen und sich in Córdoba verabredet hatten. Einer von ihnen hat uns abends beim Weggehen begleitet. Wir waren bei einer Ibiza-Party, mit einem bekannten DJ der bei der diesjährigen Closing-Party im Space Ibiza aufgelegt hatte.

Am Montag (Feiertag) abend sind wir schließlich zurück nach Mendoza gefahren, wo wir am Dienstag morgen, 2 Stunden vor unserer morgendlichen Vorlesung, übermüdet angekommen sind.

Als Fazit bleibt, dass wir unser verlängertes Wochenende zeitlich perfekt ausgenutzt haben. In Córdoba selbst haben wir alles Sehenswerte gesehen, die Stadt und die Einwohner(innen) haben es uns so sehr angetan, das zwischenzeitlich ernsthaft in Betracht gezogen wurde, sein nächstes Auslands- oder Praxissemester hier zu verbringen. Unterm Strich ein toller Städtetrip mit vielen neuen Eindrücken und Erinnerungen.  

80 kilos de huevo - Real Coholicos

Am heutigen Samstag kam es beim 1. Spieltag des Goldpokals zum Revanchematch gegen Real Coholicos, gegen die wir ja noch vor knapp einem Monat live im argentinischen Lokalfernsehen 1:2 verloren haben. Nachdem ich letzte Woche beim regulären Saisonfinale nicht zum Einsatz gekommen bin, durfte ich heute von Beginn an in der Innenverteidigung ran. 

Unsere erste Chance kam nachdem mein Gegenspieler nach einer Ecke an den eigenen Innenpfosten köpfte und der Ball von dort aus in die Arme des Torwarts sprang. Ansonsten verlief das Spiel eher im Mittelfeld ab. Nach einer halben Stunde dann aus dem Nichts die Führung für die Gegner. Eine Kerze konnte Mitverteidiger und Kapitän Alan erst nicht wegköpfen, und anschließend wollten wir beide gleichzeitig den Ball klären, verpassten aber jeweils um Haaresbreite, so dass ein gegnerischer Stürmer 40 Meter vor dem Tor alleine durch war. Der Torwart war noch dran, doch der Ball trudelte ins Netz. 0:1. 
Unser Team spielte konsequent weiter und mit der letzten Aktion vor der Pause gelang unserem Mittelstürmer Gerardo, nach einer schönen Hereingabe, per Kopf der verdiente Ausgleich.

In der 2. Halbzeit ging es dann gegen die Sonne, es war mal wieder richtig warm, man musste viel trinken, und der Sonnenbrand war vorprogrammiert. Wiederum war viel Bewegung im Spiel jedoch stand unsere Viererkette sicher. Während der Partie bin ich permanent am Spanisch sprechen, gebe viele Anweisungen und Befehle, wie man es von einem Abwehrchef gewöhnt ist und auch erwartet. Hinzu kam eine eigene gute Leistung, die mir die nötige Sicherheit verliehen hat. Einzige Ausnahme in der 2. Hälfte war ein bereits abgelaufener Ball, den ich mir dann an der eigenen Eckfahne wieder hab abluchsen lassen, so dass ich anschließend zu einem Foul (Gehfehler) gezwungen war, was mir die gelbe Karte einbrachte. Zum Glück brachte der daraus resultierende Freistoß nichts ein.
Offensiv dauerte es bis 10 Minuten vor Spielende, bis ein Pass in die Spitze endlich mal durchkam und gefährlich wurde. Jedoch vergab Nacho die herausgespielte 100%-ige kläglich. 5 Minuten später machte er es besser und erzielte die 2:1 Führung. Großer Jubel.
Die letzten Spielminuten war dann nochmal die Verteidigung gefordert aber letzten Endes brachten wir die Führung sicher über die Zeit.

Alle Beteiligten waren über den wichtigen Auftaktsieg sehr erfreut und erleichtert. Ich erhielt nach meiner überzeugenden Leistung Lob von allen Seiten. Mir persönlich war der Sieg und die 3 Punkte wichtig. Manch einer ging sogar soweit von der "besten Abwehrleistung der Saison" der Verteidigung zu reden, aber wir wollen ja nicht gleich abheben, es verbleiben ja noch wichtige Spiele gegen schwere Gegner. Schade nur, dass ich aufgrund der geplanten Trips im November und Anfang Dezember wohl nicht jedes Goldpokalspiel bestreiten kann.
Mit Schmerzen und geschafft, aber vor allem glücklich, gings dann nach Hause zum Ausruhen.

Mi, 27. Oktober 2010

An jenem Mittwoch war ein ereignisreicher Tag in Argentiniens Geschichte. Zum einen weil an diesem Tag "el censo", also ein Zensus/Volksbefragung und -zählung stattfand, was nur alle 10 Jahre gemacht wird. D.h. konkret, dass die gesamte Bevölkerung dazu aufgerufen wird, zwischen 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends zu Hause zu sein, um an der eigenen Haustür über ihre Stammdaten Auskunft zu geben. Deswegen hat auch alles geschlossen, die Straßen sind menschenleer, und unsere Vorlesung an dem Tag ist ausgefallen.

Am selbigen Morgen kam die Nachricht, dass Nestor Kirchner, Ex-Präsident und Ehemann der aktuellen Präsidentin, Christina Kirchner, im Alter von 60 Jahren an einer Herzattacke verstorben ist. Im Fernsehen ist es seitdem verständlicherweise das Topthema.

Politik

Obwohl Ausländern generell davon abgeraten wird, Themen wie die nationale Politik oder Religion, etc., anzusprechen, bietet ein derartiges Ereignis die Möglichkeit, dies zu tun. So ist es für Mike und mich sehr interessant, in Gesprächen mit Kommilitonen oder den Fußballerkollegen mehr über Argentinien, Politik und die nationale (oder persönliche) Gefühlslage zu erfahren. Natürlich kommt dadurch im Dialog auch öfters mal die Geschichte beider Länder zum Vorschein, jedoch auf einem intellektuell weitaus höherem Level als mit so manchem Taxifahrer...

Donnerstag abend waren wir im Hostel auf der Dachterrasse zum kostenlosen Grillabend, zusammen mit Tanguy, der währenddessen von seiner kurzen Brasilienreise (studierenden Bruder dort besucht) berichtet hat, haben wir das ein oder andere "Choripán" verdrückt (spez. Wurst im Brötchen mit Tomate, Salat und Ketchup/Mayo).

Danach sind wir noch der Einladung Vir´s ("heute abend poker? ich brauch mal wieder geld!" (spielen nur mit 5 pesos (=1€) Einsatz, Anm. d. Red.)) gefolgt, wobei es uns endlich gelungen ist, ihre unglaubliche Glückssträhne zu beenden. Mit 5 Spielern gings los, nachdem wir die 2 Argentinier vom Tisch genommen hatten, musste ich mich (natürlich mit der anfangs besseren Hand) gegen Vir geschlagen geben und landete somit auf dem undankbaren 3. Platz.
Mike jedoch konnte sich im Duell Deutschland - Spanien nach einem spektakulärem Comeback durchsetzen und hat am Ende verdient gewonnen!

Uni

Die bevorstehende Woche wird wohl oder übel zu einem kleinen Lernmarathon. Nachdem wir vor dem Wochenende schon unsere Teile für die Hausarbeit in Negociaciones fertig geschrieben haben und uns mit unseren jeweiligen Gruppen im Fach "Vertriebskanäle" für die am Dienstag abend abzuhaltende Präsentation getroffen haben, erwarten uns zusätzlich noch am Montag und Dienstag morgen sowie am Mittwoch abend Zwischenprüfungen. Da werden dann mal wieder die altbewährten Lernnachtschichten fällig, einziger Trost und Motivation ist, dass es die letzten Prüfungen in den jeweiligen Fächern sind und danach das Vorlesungs- und Semesterende abzusehen ist.

Wenn wir das hinter uns haben, bleibt sicherlich wieder mehr Zeit für diverse Aktivitäten, neue (Reise-)Abenteuer und zum bloggen (u. a. Córdoba-Bericht).

In diesem Sinne, drückt die Daumen und hasta luego!

Bomba Estereo

Am Freitag abend war ich mit Samy und Dani und den Kanaren auf einem Konzert der kolumbianischen Band "Bomba Estereo". Ihr bekanntester Hit hier ist "Fuego" (Feuer):

http://www.youtube.com/watch?v=MZXlgNMDK3E&feature=fvst

Da auf der Eintrittskarte keine Uhrzeit stand, waren wir um halb 12 am Veranstaltungsort, einer Disko wie sich herausstellte. Ich hatte schon Angst, dass wir was verpassen. Weit gefehlt. Wir waren die Ersten und mussten sogar noch etwas warten, bis uns Einlass gewährt wurde. Um 3 Uhr morgens ging das Konzert dann endlich los, der Club hatte sich in der Zwischenzeit gut gefühlt. 

Eine halbe Stunde vor dem Auftritt gabs noch ein Highlight, zusammen mit den Kolumbianerinnen und 2 von den Kanarinnen durften wir backstage zur Band, für ein kurzes Meet & Greet inklusive Fotosession.  

Beim Konzert selber waren wir dann ganz vorne. Die Musik war sehr gut und die Energie schwappte von der Bühne auf die Leute über, die gut abgingen. Kurz vor Schluss kam dann noch der große Hit "Fuego" und nach etwas mehr als einer Stunde + einer kurzen Zugabe von 2 Songs wars dann auch schon vorbei. War das Geld (10 Euro Eintritt) aber auf jeden Fall wert und hat Spaß gemacht.

80 kg de Huevos

Am Samstag haben wir 1:1 gespielt und sind nach 9 Spielen Tabellenzweiter, womit wir uns für den Goldpokal qualifiziert haben. Von jetzt an spielen die ersten 3 Mannschaften aus unserer Liga und die ersten 3 aus einer anderen Zone den Titel unter sich aus, jeder spielt jeweils gegen jeden.

Wegen der immensen Bedeutung und um möglichst gut abzuschneiden, trainieren wir mittlerweie 1-2 Mal pro Woche, so geschehen letzten Donnerstag und heute (montag) abend. Jetzt zählts!

Bevor der ausführliche Córdoba-Bericht in Kürze hier erscheint, vorab noch die vorigen 2 Wochen kurz zusammengefasst, die ebenfalls sehr ereignisreich waren.

Universidad

In der Uni waren wir nach der Chile-Reise ganz gut beschäftigt, wir haben hier ab und an in den verschiedenen Fächern Zwischenprüfungen, einmal sogar 2 an einem Tag, die wir aber ganz gut gemeistert haben. Dazu kommen noch Präsentationen und Gruppenhausarbeiten. Zusammen mit Lisa werden wir so beispielsweise eine Fallstudie für "Negociaciones" erarbeiten, schriftlich einreichen und kurz darauf dann im Kurs präsentieren. Auch in Marketing II sind wir gefordert, hier müssen wir insgesamt 5 (!) Hausarbeiten während des Semesters über eine lokale Firma einreichen, die nächste davon (4. mittlerweile) ist diesen Montag fällig.

Also wie man sieht kommen wir unseren studentischen Pflichten nach, auch wenn wir nach wie vor nur von Montag bis Mittwoch Vorlesungen (5 Fächer à 2,5h) haben.

80 kg de Huevos

Ich kann fortan behaupten, dass ich bereits im argentinischen Fernsehen zu sehen war! Unsere Partie gegen "Real Coholics" (zu deutsch: "Real Koholiker", auch ein lustiger Name...) wurde live im Lokalfernsehen (Canal 4 glaub ich wars), übertragen. Haben deshalb auch woanders als sonst gespielt, und als wir ankamen haben wir schon 2, 3 Kameras an der Mittellinie aufgebaut gesehen und tatsächlich eine Kommentatorentribüne.

Das Spiel selbst lief dann für die Mannschaft und für mich persönlich nicht so besonders. Durch mein reisebedingtes Fehlen am vorigen Spieltag, wo 4:0 gewonnen wurde, bin ich aus der Startelf gerutscht. Wir sind zwar 1:0 in Führung gegangen, haben dann aber wie so oft letztlich die andere Mannschaft ins Spiel kommen lassen. Irgendwann haben wir uns dann unnötigerweise den Ausgleich gefangen. Ich wurde in der 2. Halbzeit eingewechselt, bei meiner ersten Aktion vor laufender Kamera den Ball ins Seitenaus geklärt. Kurz darauf haben wir allerdings nach einer Standardsituation den 1:2 Rückstand hinnehmen müssen, nachdem ein Mitspieler den Gegenspieler hat gewähren lassen und dieser einköpfen konnte. Dies veranlasste den Trainer mich irrtümlicherweise nach bereits ca. 15 Minuten aus taktischen Gründen wieder vom Feld zu nehmen. Somit konnte ich die Öffentlichkeit nicht weiter von meinen Abwehrkünsten überzeugen. Zum Schluß sind wir vergeblich auf das gegnerische Tor angerannt, sämtliche Chancen blieben ungenutzt. Aufgrund einiger umstrittener Entscheidungen seitens des Schiedsrichtergespanns (nicht gegebener Elfer, Zeitspiel des Gegners ohne zusätzliche Nachspielzeit...) kam es nach dem Schlußpfiff zum unrühmlichen Höhepunkt. Während am Mittelkreis die Gegner feierten, stürzte sich unsere halbe Mannschaft auf den Schiri, bedrängte und schubste ihn. Ich stand kopfschüttelnd am Seitenrand, erst die 1:2-Niederlage und jetzt sowas vor laufenden Kameras... das Fehlverhalten einiger Spieler zog natürlich auch Konsequenzen nach sich, unser linker Mittelfeldspieler wurde beispielsweise mit 4 Spielen Sperre bestraft, andere kamen mit einem davon.

Am nächsten Spieltag haben wir es besser gemacht, und ich durfte auch wieder von Anfang an ran. Das Spiel haben wir knapp, aber verdient, mit 1:0 gewonnen. Allerdings haben so manche anscheinend von der vorigen Woche und den Konsequenzen nichts gelernt, in der Schlußminute kam es abermals zu einer Auseinandersetzung, diesmal allerdings vom Gegner ausgelöst. Trotzdem gab es wiedermals 1, 2 kurze Sperren für Spieler von uns, die sich auf die Provokation nach einem Foulspiel eingelassen hatten.

Godoy Cruz - Independiente

Wutentbrannt und unter Zeitdruck sind wir unmittelbar nach Spielende zum Stadion gefahren, das Spiel der Profis würde in Kürze anfangen. Dementsprechend auch sein Fahrstil. Geparkt, schnell Tickets gekauft, durch die mehreren Sicherheitskontrollen gejoggt. Gerade als wir am letzten Kontrolleinlass waren, haben wir die gegnerischen Fans jubeln hören. 0:1, na toll. Und Gegentor nicht gesehen. Sind dann rein zum Stammplatz. Und von da ein Spiel auf ein Tor gesehen! Godoy Cruz, ohne den gesperrten 10er, Spielmacher Ramirez, dominierte die Partie, anders kann man es nicht beschreiben. Und so konnten sie in kürzester Zeit den frühen Rückstand in einen 3:1 Halbzeitstand umwandeln, mit 3 sehenswerten Treffern. Kurz nach dem Seitenwechsel fiel dann noch der 4:1 Enstand nach einem Kopfball. Tolle Stimmung, wie man sich denken kann.

Zusammenfassung:
http://www.youtube.com/watch?v=-LFdo7RnKUQ&playnext=1&videos=SCqjMaERkSo&feature=mfu_in_order

Abendprogramm

Der erfolgreiche Fussballnachmittag war nur der Anfang von einem sehr erlebnisreichen Samstag in Mendoza. Abends stand der Junggesellenabschied von Mitspieler Martín (26, Spitzname Chacha) auf dem Programm, mit 22 Jahren für mich der erste den ich miterleben dürfte.

Im Rahmen dessen gab es abends bei einem Mitspieler daheim ein leckeres Asado. Gleichzeitig wurde auch noch Harry verabschiedet, der kurz vor seiner beruflich bedingten Abreise nach Dubai stand (siehe früherer Blogeintrag). Beim Asado gab es insgesamt 7,5 kg Fleisch und dazu noch ein paar Würste, dennoch musste man um seinen gerechten Anteil (mit Gabel) kämpfen, da nun mal um die 20 hungrigen Männer um den Grill standen. Anschließend ging es gesammelt zu einem angemieteten Partyraum, wo dann der offizielle Teil der Junggesellenfeier vonstattenging.

Später am abend gings noch ins "Apeteco", wo an dem Abend auch unsere Bekannte Alex (die Deutsch-Polin) an der Bar gearbeitet hat (=1 Freigetränk für mich). Insgesamt war es ein toller und langer Tag mit den Fußballjungs. Das (auch sonst) so viel gemeinsam unternommen wird und stets die ganze Mannschaft dabei ist zeugt von einem gutem Teamgeist und erleichtert mir die Integration. Ich bin zwar immer noch der "Alemán" (was ich auch immer bleiben werde) und werde dies auch häufig genannt, aber ich kann mich getrost als vollwertiges Mitglied der Mannschaft bezeichnen.  


Aktuelles Wochenende

Gestern haben wir 1:1 gespielt. Ich hatte gleich zu Beginn eine Kopfballchance nach einer Ecke knapp über das Tor gesetzt. Nächste Woche, am letzten regulären Spieltag, müssen wir gewinnen, um uns für den "Copa Oro" (Goldpokal) zu qualifizieren. Gegebenfalls reicht auch ein Unentschieden oder eine Niederlage, hängt von den noch nicht veröffentlichten/gespielten gegnerischen Ergebnissen ab. Ansonsten geht es nur in den "Copa Plata" (Silberpokal), die Schlusslichter der 2 Ligen spielen den "Copa de Madera" (Holzpokal) unter sich aus... Nächste Woche wissen wir also mehr.

2 Wochen nach dem Junggesellenabschied fand gestern dann die HOCHZEIT des Mitspielers Martín statt. Die gesamte Mannschaft war bei der nächtlichen Feier, die nach der offiziellen Trauung und einem Abendessen stattfand, zum Tanz geladen.

Details werden in einem seperaten Kurzbericht preisgegeben [Teaser: die Feier war sehr schön!], und zwar nach dem Córdoba-Bericht, das wir in der chronologischen Reihenfolge nicht durcheinander geraten.

(Sorry für die etwas zeitverzögerten Blogposts, aber wenn man so viel erlebt fehlt eben oftmals die benötigte Zeit, die man fürs Schreiben braucht.) Ein stets wachsender Freundeskreis erleichtert dies nicht, wir unternehmen aber nach wie vor viel mit den Kanaren und den 3 Mexikanerinnen (Bsp.: Dienstag Geburtstag von Daniela im Irish Pub; vorhin Billard gegen Carlos und Tanguy...)

Godoy Cruz - River Plate

Am Sonntag abend, der sich gerade zu Ende neigt, war ich mit Nacho und Adri(ana), der nachgekommenen Kanarin, zum Heimspiel gegen River Plate. River ist, zusammen mit Boca Juniors, einer DER Traditionsklubs aus Buenos Aires/Argentinien, und verfügt dementsprechend auch hier über ein sehr großes Fanlager, die Gästetribüne war packend voll.

In der 1. arg. Liga (Primera División) finden freitags 2 und samstags und sonntags je 4 Spiele statt (Anstoßzeiten von 14 Uhr bis 20.30 Uhr), sprich man kann sich theoretisch jedes einzelne Spiel live im Fernsehen anschauen. Konferenz muss hier ein Fremdwort sein.

Einmal mehr war ich von der Stimmung begeistert! Kurz vorm Anpfiff flippen die Godoy Cruz Fans, mich eingenommen, regelrecht aus, was in einer Mischung aus Gesängen, Springen, Bengalos, Feuerwerk und tribünenbedeckenden "banderas" resultiert.

Das Spiel war von der Torreihenfolge wie das VfB-Schalke-Spiel, was Mike und ich tags zuvor noch im Livestream/Internetradio verfolgt hatten. Sogar die Trikotfarben der Protagonisten waren identisch. Godoy Cruz (blau-weiß) ist durch ein peinliches Eigentor kurz vor der Pause in Rückstand geraten, konnte in der 2. Hälfte aber nach einem Sprint von der Mittellinie und Abschluß an der Strafraumgrenze durch den Spielmacher Ramirez ausgleichen. Nach einer Stunde Spielzeit ging River (rot-weiß) dann wieder in Führung. Es sah ganz klar nach Abseits aus, aber in der TV-Zusammenfassung hat man gesehen das der vorausgehende Kopfball von einem Godoy-Spieler kam. 10 Minuten vor Spielende traf dann ein Einwechselstürmer, nach feinem Pass von Ramirez, zum 2:2-Endstand. Bis zum Abpfiff hin gab es ein Feuerwerk nach dem anderen auf der Tribüne, so dass ich jetzt noch denke, heute ist der 1. Januar. In der Schlussminute wurde von Mendoza noch eine 100%-ige vergeben, im Gegenzug zappelte der Ball schon im Netz, jedoch wurde davor auf Handspiel entschieden. So blieb es am Ende bei einem spannenden und gerechten Unentschieden, unterm Strich ein klasse Spiel.

Die Tore vom Spiel, mit Live-Kommentar:
http://www.youtube.com/watch?v=EzsIF2SRMws&feature=related

Día de la Madre

Abschließend noch ein Gruß an unsere lieben Mütter, da hier ja momentan Frühling ist, war heute (So, 17.10.) Muttertag. In diesem Sinne (zum 2. Mal dieses Jahr): Feliz día de la Madre, Mamá! 

Mit etwas Verzögerung hier nun endlich der Reisebericht unseres Ferientrips nach Chile und Bolivien:

Fahrt nach Santiago

Am 15. September, mittwoch abends nach unserer wochenend- und ferieneinläutenden Vorlesung sind wir zum Busterminal in Mendoza, Abfahrt 23 Uhr. Dort haben wir unsere Reisegefährten, die Kanaren (Omaira, Vir, Sara, Jeza, Adriana und Carlos) und Tanguy angetroffen. Dann mit dem Busunternehmen "el Rapido" (übersetzt: der Schnelle) losgefahren. Zu unserer Überraschung gab es noch Sandwichs und ein Getränk. Von der landschaftlich normalerweise sehr ansprechenden Fahrt über die Anden haben wir durch die Dunkelheit leider nichts mitbekommen, man konnte nur die Umrisse der Berge sehen und die steigenden Höhenmeter erahnen.

In der Nacht um ca. 3 Uhr waren wir dann an der argentinisch-chilenischen Grenze. Bei mir wurde ein Stempel vergessen, was uns aber noch aufgefallen ist. Dann wieder rein in den Bus, nur um ein paar Meter später wieder auszusteigen. Sämtliches Gepäck wurde kontrolliert. Zum Glück ist Mike ein Schild aufgefallen das darauf hinwies, das die Einfuhr von Obst und anderen Lebensmitteln streng verboten ist. So konnten wir jeweils noch schnell 2 Äpfel entsorgen, ohne eine Mindeststrafe von 170 US $ zu zahlen... Es gab extra einen Drogen- und einen Lebensmittelspürhund. Naja, das ganze Prozedere an der Grenze hat im Endeffekt gute 2 Stunden gedauert, müde und genervt konnten wir dann schließlich weiterfahren. Welcome to Chile!

Gegen 7 Uhr morgens sind wir dann am Busterminal in Santiago angekommen, wo wir uns gleich nach Tickets für die nächste Fahrt nach San Pedro de Atacama erkundigt haben. Nach kurzem Fußweg haben wir auf der Straße eine Familie diesbezüglich gefragt, die im Gespräch mit den Mädels gleich ein paar Tipps gegeben hat. Das Gespräch schien nicht enden zu wollen, die redselige Mutter war sehr hilfsbereit. Zusammen mit ihrer Mutter, also der Oma, war sie gerade dabei ihre 2 Zwillingssöhne zur Schule zu bringen.

Schließlich hat sie uns spontan zu ihrer nahen gelegenen Wohnung begleitet und gesagt: fühlt euch wie zu hause, macht euch Kaffee, sie kommt dann gleich wieder. Gesagt, getan. Eine halbe Stunde in Santiago und schon in einer einheimischen, kleinen Familienwohnung...

Sie kam dann irgendwann wieder, wir waren am Tagesprogramm planen. Da wir noch kein Hostel gebucht hatten, hat sie (Patty) uns angeboten, wir könnten alle (!) bei ihnen übernachten. So kam es dann am Ende auch. Wir haben auf jeden Fall erstmal unser Gepäck dort abgeladen und sind dann, begleitet von Patty und Oma "Yuya", zurück zum Terminal, um die Bustickets zu besorgen. Bereits dort waren sie extrem überfürsorglich und auf unsere Sicherheit bedacht. "OJO!" -  also aufpassen!, war das Schlagwort der Oma, gepaart mit einer aufs eigene Auge zeigende Geste.

In Chile war an diesem Wochenende die Feierlichkeiten zum "Bicentenerio", also der 200-Jahr Feier Chiles. Der 18. September 1810 wird als Beginn der Unabhängigkeit von Spanien betrachtet. Dies bedeutet konkret, das überall, also wirklich überall, Chiles Nationalfarben in Form von Flaggen und Fähnchen zu sehen sind. Man wird überall aufs Bicentenario hingewiesen, das ganze Land feiert sich selbst.

Mit der Metro gings dann rein ins Stadtzentrum, u.a. in die hübsch anzusehene Markthalle, wo es frischen Fisch, Obst und dergleichen gab. Ein erfahrener, netter Kellner konnte nach eigener Aussage 15 Sprachen sprechen, und hat dann mit Mike und mir kurz deutsch und Plattdeutsch (!) geredet (hat mehrere Jahre in Bremen gelebt) und mit Tanguy französisch. Sehr beeindruckend, vor allem auch sein Vokabular.

Nach einem Snack (Empañadas) sind wir etwas rumgeschlendert und haben dabei Jeza verloren, nach 1h Warten und erfolglosem Suchen sind wir dann weiter zum Cerro San Cristobal gegangen, einem Hügel wo obendrauf die bekannte Statue der Jungfrau Maria zu finden ist, die über die Stadt wacht. Am unteren Ende des Hügels angekommen haben wir dann Jeza auf einer Bank wartend wiedergefunden. Wieder komplett sind wir dann mit einer alten Seilbahn (Kulturerbe Chiles) auf den Hügel hochgezuckelt. Zu unserer rechten Seite während der Fahrt befand sich der städtische Zoo und botanische Garten. Oben angekommen wurden wir mit einer tollen Aussicht auf ganz Santiago belohnt.

Ein Stück weiter oben befindet sich dann die Statue. Die Statue ist nicht ganz so groß wie die weitaus bekanntere in Rio de Janeiro, allerdings ist der Hügel mit 880 Metern über dem Meeresspiegel höher als der brasilianische.

Abends haben wir dann im selben Bezirk, Bellavista, in einer der vielen Straßenbars gegessen und erstmals chilenisches Bier getrunken. An den Nebentischen gab es Chile-Gesänge. Danach sind wir in unsere Unterkunft zurückgekehrt, die wir quasi unfreiwillig übernommen haben. Zu 8. in der kleinen Wohnung für 4 Leute. Die Oma, Patty und die 2 Zwillingssöhne Diego und Gonzalo haben gemeinsam im Ehebett genächtigt, während wir ausgelost haben, wer im Kinderzimmer und wer auf dem Wohnzimmerboden auf der aufblasbaren Matratze bzw. auf dem Sofa (ich) schläft.

Am Freitag war Feiertag und somit haben wir die gesamte Familie als Dankeschön für die Unterkunft zum Essen in einem typischen chilenischen Restaurant eingeladen. Die Kinder haben an dem Tag noch einen kleinen, verwahrlosten Straßenhundewelpen zu sich aufgenommen, den wir auf dem Hin- und Rückweg zum/vom Restaurant gesehen hatten.

Abends waren wir dann im "Centro Artesanal Los Dominicos", ein schön gestaltetes Dorf mit Läden, die ihre handgemachten, künstlerischen Produkte verkauft haben. Abends waren wir im Zentrum zu einer Lichtershow. Auf den Präsidentenpalast "La Moneda" (war zuvor eine Münzprägeanstalt) wurden Lichter projeziert, die somit ein Video bildeten und die Geschichte und Highlights Chiles erzählten. Da waren wir aber nicht alleine. Es waren Menschenmassen unterwegs, um das Spektakel zu verfolgen. Man kam kaum durch und es war schwierig aus der Distanz zu sehen.   

Am nächsten Tag haben wir dann die Innenstadt tagsüber abgeklappert, wiederum La Moneda und später la Plaza de los Armas, wo viel Betrieb mit weiteren Feierlichkeiten herrschte. Ein Flugzeug hat an und an kleine Handzettel zum Bicentenario abgeworfen, so dass jeder (inklusive uns) den Zetteln als Andenken hinterhergerannt ist, war lustig mit anzusehen, ein bisschen wie Reise nach Jerusalem.

Nachmittags waren wir dann im Parque O´Higgins, wo ebenfalls Menschenmengen unterwegs waren. Wiederum unzählige Straßenhändler, die Schmuck, Essen und alles Erdenkbare unter die Leute brachten. Bei manchen Verkäufern kam man sich vor wie in Hamburg auf dem Fischmarkt.

Abends ging es dann zum Busterminal, begleitet von unserer "Gastfamilie". Zusätzlich zur Essenseinladung haben wir noch etwas Geld in der Wohnung gelassen, für die nette Beherbung, auch wenn die Fürsorge der Mutter und Oma meist übertrieben und teilweise etwas gespielt war. Die Familie kommt wohl aus der unteren Mittelklasse und die arbeitslose Mutter hat wohl insgeheim etwas darauf spekuliert. Im Endeffekt haben wir aber das Leben in einer chilenischen Familie kennengelernt, eine nette Erfahrung. Tanguy ist wegen Uniterminen nicht mit uns mit, sondern hat sich den ebenfalls in Santiago aufhaltenden Mexikanerinnen und Sammy von uns angeschlossen und ist u.a. noch nach Valparaiso.

Die Busfahrt nach San Pedro de Atacama ging 22 Stunden (!), die Distanzen im weitläufigen Südamerika sind nun mal um einiges größer als in der europäischen Heimat. Auf der Fahrt habe ich zum ersten Mal in meinem Leben den pazifischen Ozean gesehen! Nächstes Mal dann drin baden (evtl. Valparaiso?).

San Pedro de Atacama - Uyuni

Schließlich sind wir sonntag abends um 21 Uhr in San Pedro angekommen, einem Dorf mit lediglich 4970 Einwohnern, allerdings stark bevölkert durch die abenteuersuchenden Touristen und ein Startpunkt für viele Unternehmungen in die umliegende Gegend. Nachdem wir uns ein Hostel gesucht hatten, haben wir gleich die geplante 3-Tages-Jeep-Tour nach Uyuni, Bolivien, bei einem der unzähligen Anbieter gebucht. Preislich um die 90 Euro für 2,5 Tage, 2 Übernachtungen, Verpflegung (+5l Wasser für jeden) inklusive und insgesamt 890 km durch die bolivianische Wüste mit lokalem Tourguide. Am nächsten Morgen um 8 Uhr würde es losgehen. Sind dann noch etwas durch die ungepflasterten Straßen von San Pedro geschlendert, es erinnert an eine Westernstadt mit niedrigen, hellen Gebäuden. Bei einem kleinen Umtrunk habe ich mir ein Glas chilenischen Rotwein ("el gato negro") gegönnt, war sehr lecker. Bei dem blieb es aber auch, da wir ja bereits auf ca. 2500 Höhenmetern waren und auf der Tour noch auf zwischen 3500 und 4500 Höhenmeter gelangen werden würden, da brauch man seine Luft und klaren Verstand.

Am nächsten Morgen wurden wir dann zur bolivianischen Grenze gefahren, wo unsere Jeeptour losging. Der Grenzpfosten war lediglich ein kleiner Raum, Stempel in den Reisepass und bei Bedarf konnte man noch Geld umtauschen (bolivianische Pesos). Gestärkt mit einem Frühstück ging es dann mit unseren 2 Guides Lucio und Javier los, jeweils 4 von uns in den 2 Jeeps.

Nachdem wir noch den Eintritt für den Nationalpark berappen durften, eröffnete sich uns die Weite der bolivianischen Wüste und die Schönheit der dortigen Natur. Laguna blanca (weiß) und Laguna verde (grün) waren die ersten gefärbten Lagunen, an denen wir anhielten. Danach kam "el desierto de Dalí", benannt nach dem Künstler wegen ein paar Gesteinsformationen, die seiner abstrakten Kunst ähneln sollen.

Weiter gings mit einer Therme, wo wir zusammen mit anderen Touristen aus allen möglichen Ländern (Frankreich, UK, Holland...) kurz gebadet haben. Bei 30° Wassertemperatur, herrlich.
Anschließend haben wir bei Geysiren gehalten, die in der Erde vor sich hin blubberten und Dämpfe ausstießen.

Bei der Laguna colorada, also der farbigen Lagune, war zugleich unsere erste Schlafunterkunft. Die Wasserfarbe war rot, teilweise waren auf der Oberfläche weiße Mineralablagerungen zu sehen, so dass man es sich wie Tomatensuppe mit Sahnekleksen in der Mitte vorstellen kann. Für die Lagune kann man u.a. als eines der neuen 7 Weltwunder im Internet abstimmen.

Nach dem Mittagessen haben Mike und ich erstmal eine Siesta gehalten, die Höhenluft ist doch ungewöhnt und durch die Müdigkeit haben wir gleich gut geschlafen. Fast bis zum Abendessen, was aus einer leckeren Suppe und Spaghetti bestand. Danach haben wir noch etwas Karten gespielt, was keinesfalls leicht von statten ging. Zum einen sind spanisches und deutsches (Skat-)Blatt sehr unterschiedlich und zum anderen galt es, ein geeignetes, allen halbwegs bekanntes Spiel zu finden. Ich habe ihnen "hau ruck" erklärt, Mau-Mau haben wir hinbekommen, ein spanisches Kartenspiel wurde nach einer Spielrunde wieder eingestellt.

Es folgt die Nacht, in der keiner schlief. Mike und ich waren ja wie echte Männer ohne Schlafsack angereist (hatten auch keine), was sich natürlich als leichtsinnig herausgestellt hat, da man normalerweise weiß, das in der Wüste tagsüber sehr warm ist und nachts extrem kalt. Leider haben wir bei der kurzen Reisevorbereitung daran nicht gedacht, hatten als auch keine Schals, Mütze oder Handschuhe dabei. In dem Zimmer in der einfachen Behausung war laut dem Guide von San Pedro von der kurzen Einführung 7 Grad. Draußen zweistellige Minusgrade. So haben wir natürlich trotz mehreren Decken und Kleiderschichten sehr gefriert. Obwohl wir schon um halb 7 aufstehen mussten, war es wohl die längste Nacht meines Lebens, in der die Leidenszeit nur sehr langsam voran ging. Kaum ein Auge zugemacht, und bei jeder Drehung oder auch nur Bewegung hat das Bett einen Heidenlärm verursacht. Morgens wurde dann geklärt, das es den anderen quasi genauso ging. Es gab auch keine Duschen und wegen der Wasserknappheit musste man bei den versifften Klos mit Regenwasser aus Kanistern "spülen". Leitungswasser Fehlanzeige. Da kam das Trinkwasser aus unseren 5l-Bottichen ganz gelegen zum Zähneputzen.

Nach einem guten Frühstück waren wir froh, das die Jeep-tour weiterging, auch wenn die Fahrt stets sehr holprig ist und der Rücken sowieso schon weh tut. Erster Halt war "el arbol de piedra" (der Baum aus Stein), ein 7-Meter hoher Steinblock in Form eines Baumes! (Wer häts gedacht?) An jedem Highlight wurde angehalten und Fotos gemacht. Danach haben wir wieder (auf 4.115 Höhenmetern) 4 Lagunen passiert, jede mit Ansammlungen von Flamingos belagert. Schöne Tiere (gruß an Eva ;)).

Mittagessen wurde dann von unseren Fahrern präpariert, Reis, Kartoffeln, Thunfisch und etwas Gemüse, mit Ausblick auf einen inaktiven Vulkan, der allerdings etwas geraucht hat. Danach Zwischenstopp in San Juan, einer bolivianischen Siedlung in der Wüste mit ca. 170 Einwohnern. In der lokalen Schule haben wir draußen ein Volleyballspiel verfolgt, es war der "dia del estudiante". Die Bolivianer haben auf uns eher einen zurückhaltenden und unaufgeschlossenen Eindruck gemacht, wer mag es ihnen gegenüber Touristen auch verdenken. Dies macht unseren kanarischen Mädels allerdings nichts aus, die reden drauf los, fragen nach Fotos und wehe wenn sie ein niedliches bolivianisches Kleinkind sehen, dann ist alles zu spät.

Am frühen Abend kamen wir dann am Rande der "Salar de Uyuni" an, der mit 12.000 km² mit Abstand größten Salzwüste der Welt. Dort haben wir dann im "Hotel de Sal" residiert, einem Hotel das vollkommen aus Salz errichtet wurde, einschließlich Möbel und Kronleuchter. Das Abendessen war wieder lecker, es gab Hühnchen (und nicht wie von Javier scherzhaft suggeriert Flamingo). Nachts gab es wieder einen sagenhaften Sternenhimmel zu bestaunen, über der Wüste sieht man die zahlenmäßig meisten Sterne, wobei der über der Sandwüste tags zuvor noch klarer war. Am nächsten Morgen hab ich mich als einziger dazu aufgerafft, den Sonnenaufgang zu verfolgen. Zwischen 6:15 und 6:25 war es dann soweit, ich habe viele Bilder für die anderen gemacht und bin dann wieder ins Bett zurückgekehrt.

Nachdem es beim Frühstück Kuchen und zum probieren Kokatee gab, war der erste Anlaufpunkt Incahuasi, einem Hügel/einer Insel mitten in der weitreichenden Salzwüste aus vulkanischem Gestein, mit unzähligen Kakteen. 

Im Jeep haben wir beim Fahren mittlerweile die sich ständig wiederholende, bolivianische Musik von Lucio durch Musik meines Mp3-Players ausgestauscht und sind dadurch erheitert durch die Wüste gebrettert, Jeza hat 2, 3 Videos mit meiner Kamera gemacht.

Schließlich haben wir mitten in der Salzwüste gehalten, um ein paar Fotos zu machen. Das Besondere hierbei ist, das durch den weißen Boden und den idealerweise nicht erkennbaren Horizont die Perspektive abhanden geht und man dadurch den Bildbetrachter austricksen kann. Die Salar de Uyuni ist der einzige Ort in der Welt, in der das geht. Dennoch brauch man viel Geduld beim Bilder machen/posieren, es hat mehr oder weniger geklappt.

Danach ging es zum weltweiten ersten Salzhotel, Playa Blanca, was heute allerdings nur noch ein Museum ist, da es sich zu seiner Zeit nicht an die Hygienevorschriften gehalten hat. Außerdem gab es in der Nähe von Menschenhand aufgehäufte, kleine Salzberge.

Schließlich noch ein Abstecher zum "Eisenbahnfriedhof", wo alte verrostete Züge zu bestaunen waren, habe extra Fotos für Opa (Eisenbahnfan) gemacht. Die waren mit vielsagenden Graffiti besprüht, auf einem stand sogar "hier(mit) ist mein Opi gereist", auf anderen Formeln von Einstein und Newton, auf wiederum einen anderen der Leitspruch "así es la vida" (auf schwäbisch: So ischs Läbe).

Rückreise: Uyuni - Mendoza

Dies war dann wohl auch die letzte Sehenswürdigkeit unserer Wüstentour, und kurz darauf sind wir am Endziel Uyuni angekommen. Von dort aus konnten wir noch einen Bus am selben Abend buchen, der uns in 11 Stunden über Nacht an die argentinische Grenze bringt. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, Bus war voll, Bolivianer mit Kind, Kegel und Katze (!) und 3, 4 Leute mussten sogar stehen. Im Gegensatz zu den komfortablen Langstreckenbussen in Chile und Argentinien mit "semi-cama", also Halbbetten, war dieser Bus offensichtlich ein älteres Exemplar. Schlimmer waren jedoch die nichtvorhandenen Straßen (asphaltierte Straßen in Bolivien hab ich lediglich an der Grenzstadt und zugleich Fahrtziel Villazón gesehen), auf denen der Busfahrer bei völliger Dunkelheit rasant gefahren ist. Schlafen war für mich wieder mal nur sehr spärlich drin, sind dann aber heil am Zeil angekommen.

An der Grenze hat eigentlich alles ziemlich schnell geklappt, mit der Ausnahme das bei Carlos ein Stempel bzw. ein Zettel von der Einreise gefehlt hat. Somit durfte er neuerliche 300 arg. Pesos abdrücken (60 Euro) um einreisen zu dürfen. Wir hatten mit unseren tollen Visabeipackzetteln und Aufenthaltsbescheinigungen keine Probleme, nur anscheinend der bearbeitende Grenzkontrolleur, der uns anstatt 5 Monate bis zu 12 Monate erlaubten Aufenthalt in den Pass gestempelt hat. Auch nicht schlecht.

Wieder in Argentinien, der nördlichsten Grenzstadt La Quiaca, sieht man erstmal ein Schild mit der Distanz zum südlichsten Punkt des Landes, Ushuaia. Sagenhafte 5.000 km, für mich nur ein weiterer Beweis wie riesig dieses Land (flächenmäßig 8. größte der Welt, knapp hinter Indien) ist. Somit war es auch nicht verwunderlich, das unsere Fahrt nach Mendoza (1.576 km) 26 Busstunden gedauert hat. Sudoku heißt die Lösung.

Somit haben wir in den 9 Reisetagen 3 Tage Santiago gesehen, 3 Tage 890 km in der Wüste mit Jeeps zurückgelegt, 3 lange Tage im Bus gesessen, 2 neue Länder kennengelernt und insgesamt über 5.000 km abgespult.

Erschöpft/müde nach den Reisestrapazen waren wir erleichtert am Freitag wieder in unserer "argentinischen Heimat" zu sein und dem Taxifahrer unsere Straße und Hausnummer mitzuteilen. Wir sind dankbar für die einmaligen und unvergesslichen Erinnerungen und Erfahrungen.

 Nur ein kurzer Zwischenbericht:

Wochenende gut überstanden, alle wohlauf.
Samstag Spiel 2:0 verloren, Spitzenspiel 1. gegen 2., Gegner übermächtig und pfeilschnell, musste mir schon nach 10 Minuten eine gelbe Karte abholen weil sonst einer durch wäre.
Am Montag Präsi und am Dienstag die 2 Zwischenprüfungen ganz gut überstanden.
Abends Überraschungsfeier für Carlos, der am Folgetag Geburtstag hatte.
Jetzt haben wir Ferien.
In einer Stunde sitzen wir dann mit den Kanaren und Tanguy im Nachtbus nach Santiago Chile. Von dort gehts weiter nach Atacama und dann hoch bis nach Bolivien (Uyuni). Am Freitag, 24.9., sollten wir wieder zurück sein.

Reisebericht und Bilder folgen dann!

Hasta luego!

 

Mittlerweile ist es schon Anfang September und wir sind bereits seit anderthalb Monaten in Argentinien. Wie die Zeit doch rast.

Spielbericht 2. Punktspiel

Nach einem ruhigen Freitag abend stand am Samstag mittag das 2. Saisonspiel bevor (ohne Miteuropäer Carlos). Dabei begannen wir diesmal mit einer 3er-Abwehrkette, Luca in der Mitte, der alte und neue Kapitän Alan (wurde von Mannschaft gewählt) links und ich auf der rechten Seite. Die erste Halbzeit ist schnell erzählt, wir gingen früh in Führung. Nach einem Freistoß hatte ich eine gute Kopfballgelegenheit, der Ball ging jedoch direkt auf den Keeper, der ihn im Nachfassen sicher hatte. Wir hatten noch weitere gute Chancen, jedoch führte keine zum gewünschten Torerfolg.

In der 2. Halbzeit das gleiche Bild, doch das gegnerische Tor schien vernagelt. Solche eine mangelhafte Chancenauswertung kann sich bei einer geringen Führung schnell rächen...
Nach einer Viertelstunde in der 2. Hälfte wurde ich dann gegen einen Außenverteidiger ausgewechselt, kurz zuvor hatte ich noch 2 gute Ballgewinne. Insgesamt habe ich an dem Tag eine souveräne Leistung an den Tag gelegt, Trainer und Mitspieler machten einen zufriedenen Eindruck. Unter anderem habe ich noch 2 gelbe Karten rausgeholt, eine wegen Schwalbe des Stürmers, nachdem ich mit meiner Grätsche weder ihn noch den Ball getroffen hatte, und einmal hat bei mir jemand nachgetreten, jedoch ohne böse Absicht. So konnte ich, nach getaner Arbeit, die restliche Partie verfolgen. Meine Schuhe ließ ich diesmal zugeschnürt, falls ich unverhofft wieder rein müsste.

Nach wiederum 1, 2 vergegebenen Gelegenheiten unsererseits patzte der für mich eingewechselte "Harry" folgenschwer, sein Fehler führte zum 1:1 Ausgleich. Das passiert nun mal, wenn man seine Chancen nicht nutzt. Abgesehen davon hat Harry Hotelerie studiert und arbeitet bald unbefristet im Burj al Arab in Dubai (http://de.wikipedia.org/wiki/Burj_al_Arab; Außenpool wird abgekühlt, damit das Baden eine Erfrischung bleibt). Ich habe mich schon für den nächsten Urlaub angekündigt.

Aber zurück zum Fussball: Die Partie war wieder ausgeglichen und es wurden alle Kräfte mobilisiert, um wieder in Führung zu gehen. Die Dramaturgie stieg mit jedem Fehlschuss und der andauernden Spielzeit. Schließlich war es Nacho, der mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze das befreiende 2:1 markierte, ungefähr 10 Minuten vor Schluss. Eine der letzten Kontergelegenheiten führte dann noch zu einem weiteren Treffer und somit zu einem am Ende ungefährdeten 3:1 Sieg für uns. 

Laut Regelwerk spielt man in dieser "Hobby-Liga" nur 2 x 40 Minuten, dementsprechend müssten die Spielminuten vom letzten Spielbericht noch angepasst werden. Auf die Frage nach dem Niveau meiner heimischen Mannschaft bzw. einem Vergleich muss ich insgeheim zugeben, dass ich keine großen Unterschiede sehe, vor allem wenn man bedenkt, dass wir in Deutschland noch zweimal unter der Woche trainieren, und hier nur samstags gespielt, ohne jegliches Training. Ein Duell "80 kg de huevo - VfL Kaltental" wäre auf jeden Fall interessant... Natürlich ist die Spielweise hier etwas anders, auf die kleinen, flinken, wendigen gegnerischen Stürmer kann man sich aber als Verteidiger ganz gut einstellen (Stichwort Abseitsfalle, da mit Linienrichtern gespielt wird).

Die Freude nach dem Sieg und den zwei späten Toren war auf jeden Fall groß. Das Lob von Luca nach dem Spiel, "cada vez mejor", also jedes Mal besser, war wie Balsam für die Seele. Ich war wiedermal vom Siegeswillen der gesamten Mannschaft beeindruckt.  

Samstag abend

Wieder daheim, kurz nach 17 Uhr, war das Essen schon so gut wie fertig. Mike und ich wurden von Samy und Danii lecker bekocht, es gab selbstgemachte Lasagne, für jeden 2 große Portionen. Nächstes Mal sind wir dann beim wg-internen Kochduell dran, die Mexikanerinnen haben ja auch noch was gut bei uns.

Gut gestärkt haben wir dann abends zum Warmtrinken eingeladen, die 3 Mexikanerinnen, Carlos, sowie Tamara (die Argentinierin, die ein Jahr mit uns an der HFU studiert hat), ihr französicher Freund Jerome (ebenfalls International von der HFU) und Lisa, unsere deutsche Kommilitonin. U.a. wurde Pyramide gespielt. Anschließend ging es mal wieder ins "Scanner", wo Cucha, der Restaurantbesitzer, seinen Geburtstag feierte. Für mich war es bereits das dritte Mal dort, die nette Barkeeperin hat mich schon per Wangenkuss begrüßt. Christian und Marta waren auch da, nachdem sie zuletzt bei einem Snowboardtrip in den Anden waren.

Da man ja erst zwischen 1 und 2 Uhr in den Club kommt, wurde mal wieder bis in die frühen Morgenstunden gefeiert, das sich der Eintritt auch lohnt.

Auf dem Amt

Am Montag sind wir mit all unseren Unterlagen (komplett kopierter Reisepass, arg. Führungszeugnis, Immatrikulationsbescheinigung...) dann zum Migrationsamt, um unser Visa zu bekommen. Zum Glück hatten wir den Namen einer Kontaktperson, Luis, zu der wir uns von einem anderen Mitarbeiter hinlotsen haben lassen. Auf dem kleinen Amt ist traditionell viel los und wir mussten uns an den mit Kind und Kegel wartenden Bolivianern vorbeischleusen. Das war uns natürlich unangenehm, die Europäer wieder im Expressverfahren bevorzugt, aber im Endeffekt waren wir froh über die Zeitersparnis. Vor allem da uns Luis, ein ergrauter, netter Mann, an eine vielleicht 10 Jahre jüngere Kollegin verwies (mit der Begrüdung sie sei hübscher), die sich zunächst als etwas inkompetent herausstellte ("Wo ist die W-Taste?"). Sie konnte unsere Daten im System nicht finden, was aber auch daran lag, das sie am Ankunftsflughafen in Mendoza falsch eingegeben wurde, bei uns beiden! 2 unterschiedliche Mitarbeiterinnen müssen doch tatsächlich unsere im Pass aufgedruckten Vornamen falsch eingespeichert haben! Demnach hießen wir Mighael und Martia. Sie versprach uns, die Daten gleich zu ändern (was am Folgetag Luis machen musste). Nach einem kurzen Systemausfall war auch Mike fertig. Nach einem Vortrag über die Migrationsprobleme in Argentinien, mit Verweis auf die zahlreich wartenden Bolivianer, durften wir dann zur Bank de la Nacion Argentina um die 300 Pesos für den Wisch zu bezahlen. Den Bescheid haben wir dann am Dienstag morgen vor der Vorlesung wieder beim Amt abgegeben. Diesmal sind wir gleich durch die verbotene Seitentür, auf der dick und fett "nur Personal" geschrieben steht. Aber Luis hat es uns mit einem Augenzwinkern erlaubt, und so werden wir es auch morgen handhaben, wenn wir die fertige Aufenthaltsgenehmigung abholen. Am Freitag müssen wir sie dann in der Uni präsentieren.        

Uni

Ansonsten war die Studienwoche ruhig, die Ruhe vor dem Sturm, denn nächsten Dienstag haben wir beispielsweise 2 Parciales, also Zwischenprüfungen, am selben Tag. Hinzu kommt noch eine schriftliche Hausarbeit für Montag, welche ich diesmal mit meiner Gruppe auch noch präsentieren muss. Wir motivieren uns dafür mit der danach auf uns wartenden Ferienwoche, wo wir ja nach Chile reisen wollen...

Am Montag im Weinmarketingfach ist noch ein Wunder geschehen. Laut Mike wurde sogar "das Feuer erfunden". Erstmals kam ein Beamer zum Einsatz, auf dem ein Kurzfilm gezeigt wurde. Nach all den tragbaren, aufklappbaren Tageslichtprojektoren, die extra anfangs zu ausgewählten Vorlesungen von technischen Mitarbeitern herangetragen werden, hatten wir schon fast vergessen, wie sowas aussieht. Dies erklärt zugleich die vorherrschenden technischen Standards an der Uni, eben ein kleiner Rückschritt für uns, in diesem Sinne, verwöhnten Europäer.

Voraussichtlich machen wir mit dem Kurs auch noch je eine Weinprüflabor- und eine Bodega (=Weingut) Besichtigung. Viva Mendoza!

Saludos,
Mighael und Martia

Der Vollständigkeit halber noch Updates für die restlichen Tage vom ereignisvollen August. Am besagten Samstag abend war ich bei einem Mitspieler, wo 3-4 Mitspieler, die unter der Woche oder an dem Tag Geburtstag hatten, gemeinsam mit dem Rest gefeiert haben. Anschließend ist die ganze Truppe mal wieder ins "Scanner". Mike wollte an dem Abend zur Willkommensfeier für International Students, welche aufgrund der Auswirkungen des Zonda aber nicht stattfand. Stattdessen war er mit Tanguy und den Mexikanerinnen im Por Aca.

Am Sonntag, nach langem Ausschlafen, waren wir in der Kanarenvilla abermals zum Asado eingeladen. Laut Einladung sollte um 19 Uhr alles fertig sein, aber als wir ankamen, kamen sie gerade vom Einkaufen zurück, so dass es noch 2 bis 2,5 Stunden gedauert hat, bis wir endlich essen konnten. In der Zwischenzeit haben wir eine Runde Poker gespielt, während die Frauen in der Küche standen. Die Mexikanerinnen haben uns dabei noch mit Guacamole-Tacos versorgt. Das nennen wir mal gerechte Rollenverteilung!

Am Montag abend hatten wir dann das erste Mal das Weinfach. War sehr interessant, der Professor (heisst ebenfalls Guillermo García, genau wie der den wir immer dienstags haben) hat irgendeine Präsidenten- oder Vorstandsfunktion in einem Weinverband inne und hatte alle relevanten Zahlen und Fakten im Kopf. Zu 2 Zwischenprüfungen kommt am Ende noch eine schriftliche Hausarbeit, die wir auch noch mündlich präsentieren müssen.

Am Mittwoch abend waren wir bei den 3 Mexikanerinnen, die gleich in der Nähe wohnen, zum erstmaligen Maté trinken! Hat eigentlich wie Kräutertee geschmeckt und war ganz lecker, vielleicht lags auch an der unüblich großen Zuckermenge. Danach haben wir noch Karten gespielt.

Am nächsten Nachmittag wurden wir gleich von ihnen zum Mittagessen eingeladen. Gab leckeres Fleisch (á la Priscila) mit Reis und Tomatensoße. Nächste Woche werden wir sie dann sicherlich mal einladen und bekochen. Anschließend haben wir noch unser ausgestelltes, argentinisches Führungszeugnis abgeholt, so dass wir Anfang nächster Woche beim nächsten Amt unser Visum beantragen/abholen können.

Ich habe mich dann noch erstmals der Herausforderung gestellt, hier zum Frisör zu gehen, um dort mit meinem Spanisch meine Kundenwünsche vorzutragen. Zum Glück kann man bei meinen kurzen Haaren nicht viel falsch machen. Der Laden war innendrin mit viel Holz verkleidet und sah richtig urig aus. Nach kurzem Warten kam ich dran, es gab 3 männliche Frisöre, die, vom Alter her, 3 Generationen hätten ausfüllen können. Am Ende habe ich 15 Pesos bezahlt (3€). Das ist weniger als die Hälfte wie in Schwenningen (8€) und ein Fünftel vom Preis in Stuttgart.

Die letzten 2 Tage hatten wir kein warmes Wasser, der Boiler ("Calentador") auf dem Balkon hatte Probleme gemacht. Da hieß es dann beim Duschen "Mann oder Memme". Gestern kam aber sofort Juan, der Vermieter, vorbei und heute vormittag ein Klemptner, der das Problem, hoffentlich langfristig, behoben hat.

Schönes Wochenende und liebe Grüße an alle,
Mike und Martin

 Nach über einer Woche wird es höchste Zeit, mal wieder über die Ereignisse und Unternehmungen der letzten Augustwoche zu berichten.

Letzten Montag waren wir zum 3. Mal vergeblich in "Comercialicacion Vitivinicola", der Professor hat mal wieder durch Abwesenheit geglänzt. Freitags zuvor hatte uns Ana Laura noch versichert, das das Fach am 23.8.10 endlich losgeht. Aber nach 20, 30 Minuten vergeblichem Wartens zusammen mit Lisa und noch ca. 10 weiteren Studenten sind wir wieder gegangen.

Martes

Am Dienstag abend haben wir uns nach der Abendvorlesung, die bis ca. halb 9 ging, heißhungrig entschlossen, mal wieder in ein Restaurant essen zu gehen. Die Wahl, in welches wir gehen, ist dabei schnell gefallen. In der Nähe vom Carrefour gibt es ein Restaurant, wo man durch die Fensterscheibe einen Blick auf einen riesigen Schwenkgrill hat, und auf alles, was darauf gebrutzelt wird. Also sind wir, begleitet von der kanarischen Marta, um 10 Uhr dort hin. Am Tisch wurde uns als erstes erklärt, das es sich um ein "All-you-can-eat"-Büffett handelt, sprich für lächerliche 37$ (~7,50€) so viel essen wie man will/kann! Jackpot! Das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen, und uns sogleich auf die frischen Leckereien gestürzt. Salate, Beilagen, bekannte und neue Speisen und zur Krönung Fleisch von Rind, Schwein und Huhn vom Grill. Kurz: Alles was das Herz begehrt! Nach 3-5 Gängen waren wir alle schon pappsatt, aber der Nachtisch musste natürlich auch noch probiert werden. Ich hatte u.a. eine Art Bratapfel, allerdings habe ich den weihnachtlichen Dominostein in der Mitte vermisst. Am Ende haben wir jeder unter 10 Euro für reichlich leckeres Essen und Getränke gezahlt, ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis, und sind nach über einer Stunde förmlich aus dem Restaurant herausgerollt.

Direkt danach sind wir 3 ins "Por Aca" gefahren, um mit Kathi und Alexandra, einer Deutsch-Polin, den Abschied von der Brasilianerin Flavia, die am folgenden Tag in ihre Heimat aufbrechen würde, zu feiern. Mit von der Partie waren auch die 3 Mexikanerinnen Daniela, Verito und Priscila. Da sie zu dritt zusammenwohnen, habe ich sie gleich mal gefragt, wann den die Einweihungsfeier steigt. Erstmal wurden wir von ihnen gerügt, das wir sie nicht zu unserer eingeladen haben. Dem habe ich schnell erwidert, das wir ja noch nicht wussten, wer alles kommt, und wir für die erste Homeparty nicht zu viele Leute einladen wollten. Daraufhin haben sie gleich den Donnerstag für ihre Party festgesetzt. Den Rest des Abends wurde ausgelassen getanzt und gefeiert, die Rockmusik im Por Aca entspricht vollends Mike´s Musikgeschmack.

Jueves 

Am Donnerstag abend waren wir wieder Fussball spielen, 5 gegen 5, eine Neuauflage von Europa gegen Argentinien. Diesmal waren wir auf einem näher gelegenen Kleinfeld, wo wir allerdings mit, besonders für mich, viel zu kleinen Fahrrädern von der Kanarenvilla aus hingefahren sind. Die nächsten Tage tat mein Hintern noch ganz schön davon weh. Im Gegensatz zum letzten Duell erwischten wir diesmal einen Traumstart und gingen rasch mit 3:0 in Führung. Wir waren genau 10 Spieler, d.h. jedes Team musste nur ab und an den Torwart rotieren und es gab keine großen Verschnaufpausen. Die Argentinier haben sich wieder ins Spiel kombiniert und es ergab eine spannenende, spielerisch hochwertige Partie. Beim Stand von 7:7, nach einer Stunde Spielzeit, musste das letzte Tor den Gewinner entscheiden. Schließlich war es ein beherzter Fernschuss eines Argentiniers, der vom linken an den rechten Pfosten und von dort ins europäische Tor sprang und somit das Spiel entschied. Es hat wieder allen Spaß gemacht und wir können die nächste Partie kaum erwarten, vor allem da unser Zusammenspiel auch immer besser wird. Nur auf die Fahrradtour kann ich das nächste Mal verzichten.

Abends kamen dann Kathi und Alexandra zu uns. Alexandra ist schon seit letztem September, also bald ein Jahr, hier in Mendoza und hatte daher viel zu berichten. Zunächst war sie lange Zeit in einer Gastfamilie als Au-Pair/Putzfrau. Nach einem Krach mit der Gastmutter musste sie (zu Unrecht) ausziehen, und arbeitet jetzt ab und zu in einer lokalen Disko als Barkeeperin.

Über die Sicherheitsfrage hatte sie zu erzählen, dass sie einmal im Sommer am helllichten Tage unweit der Hauptstraße bzw. eines Shoppingcenters von 2 Typen überfallen worden ist, Handy und Geldbeutel weg. Ihr Personalausweis ist allerdings ein paar Wochen später wieder an der deutschen Botschaft in Buenos Aires eingetroffen. Andererseits kennt sie auch 2 Mädels, die ohne Probleme und derartigen Zwischenfällen von Ecuador nach Mendoza per Anhalter gereist sind. Es ist wohl immer auch eine Sache des Glücks/Pechs, manchmal ist man wohl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Generell gilt nur, dass man sich an ein paar einfache Regeln halten sollte, v.a. keine Wertsachen öffentlich zur Schau stellen und (abends) erhöhte Vorsicht, sichere Gegenden und Hauptstraßen bevorzugen und notfalls ein Taxi nehmen. Mike und ich hatten diesbezüglich bislang noch keine Probleme. Man sieht auch in den Straßen öfters Polizisten/Gendarmerie patroullieren. Dies nur kurz zur allgemeinen Sicherheitslage als allgemeine Infos bzw. für zukünftige Besucher.   

Um Mitternacht sind wir dann zu der Mexiko-WG, die nicht weit weg von unserer Wohnung ist. Allmählich trudelten auch andere Gäste ein, z.B. Carlos, Omaira, Tanguy und weitere 4 Austauschmexikanerinnen aus Puebla. Mit denen wieder das gleiche Spiel: Sie wohnen zusammen, also frage ich geistesgegenwärtig, wann deren Einweihungsparty (Fiesta de Inauguración) steigt. Auch sie waren natürlich noch nicht zu unserer eingeladen worden, aber ich bin positiven Mutes, das sie im Verlauf der Woche eine bei sich haben werden, mit den "dos Alemanes" als Gästen. Bericht folgt dann.

Spontan sind einige Gäste dann mal wieder im "Por Aca" gelandet, wo die Nacht dann weiterging. An der oberen Bar hatte eine Irländerin, mit ihrer Freundin auf Durchreise, pro bonum hinter dem Tresen ausgeholfen. Natürlich entlarvte sie meine Behauptung, ich sei aus Schottland, als falsch, aber so hatte ich schon mal ihre Aufmerksamkeit. Somit war der Weg frei für 2, 3 spendierte Shots im Verlauf des Abends. In diesem Zusammenhang ein Gruß an die Heimat: http://als.wikipedia.org/wiki/Schwaben.  

Ebenso wurde der Abschied von Kathi mitgefeiert, die am Samstag wieder nach Deutschland flog.

Viernes

Nach der langen Nacht wurden wir am nächsten Mittag unsanft geweckt. Unsere Mitbewohnerinnen Samy und Danii hatten nichts besseres zu tun, als sich lautstark in der Wohnung anzubrüllen und zu streiten. Wir wissen bis heute nicht, wo genau sie sich zu dem Zeitpunkt in der Wohnung aufgehalten haben, aber es hat sich angehört, als stehen sie direkt neben unseren Betten. Den Gesprächsfetzen konnten wir entnehmen, dass es wohl um die (Un-)ordnung in der Wohnung geht. Noch im Bett liegend haben wir gelauscht, wie der Verbalkonflikt der 2 kolumbianischen Furien ausgeht. Nach einer Weile haben sich anscheinend die Wogen geglättet.

Abends haben Mike und ich zusammen abgewaschen. Die Kolumbianerinnen kochen verhältnismäßig viel, d.h. die Pfannen und Töpfe sind oft in Benutzung und Essensreste wie Gemüse, so komische Erbsen, oder Reis sammeln sich stets im Spülbecken an, was auf Dauer ziemlich eklig ist. Wir haben sie nochmals darauf hingewiesen, diese in Zukunft bitte selber zu entfernen bzw. schon davor in den Müll zu tun. Abgewaschen haben wir bei Schnulzen-Radiomusik, Thema Nr. 1: Corazón. Zitat Mike: "Können die nicht mal was über was anderes singen!?" 

Als wir nach getaner Arbeit von Danii mehr über den Vorfall erfahren wollten, hat sie aufgebracht und für uns viel zu schnell loserzählt. Nach einer halben Minute kam Samy wutentbrannt aus dem Zimmer gestürmt und das Schauspiel ging von Neuem los. Es war schwierig, dem schnellen Spanisch zu folgen. Mike und ich haben uns nur angeschaut und wohl ironisch das Gleiche gedacht: Szenen einer Ehe? Samy beschuldigte Danii, welche sich verzweifelt zu verteidigen versuchte. Kurz darauf war der Streit vorbei (Punktsieg Samy). Keine Angst, mittlerweile ist der Hausfrieden auch wieder hergestellt.

Spät abends sind wir von Kathi noch zu einem Asado von 3 ihrer Deutschschüler eingeladen worden. Das Haus mit Pool und Garten lag im Stadtteil Godoy Cruz. Nach einer längeren Irrfahrt sind wir in der Straße Mariano Moreno angekommen. Zuvor waren wir bereits in der Straße Manuel Moreno gewesen, der Taxifahrer kannte sich trotz Erfahrung wohl nicht so in diesem Gebiet aus und musste unter anderem mit einem Kollegen und später unserem Gastgeber telefonieren, um die richtige Adresse bzw. Route zu finden. Hätte der daraus resultierende, 15-minütige Umweg im Endeffekt nicht nur 2€ mehr gekostet, hätten wir sicherlich etwas gesagt wegen dem endgültigen Fahrpreis. Aber der Fahrer war ganz nett und hat sein Bestes gegeben, um uns an unseren Zielort zu bringen.

Halb 12 endlich angekommen, war es zu diesem Zeitpunkt schon etwas frisch. Der "Winter" ist wohl doch noch nicht ganz vorbei, die Temperaturen sind wieder auf um die 10° gefallen. Rodolfo, Alvaro und noch eine Studentin waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen und freundlich. Erstmal wurden wir mit leckerem Asado versorgt, Fleischspießen und Würsten. Man weiß immer nie genau, welchen Teil welches Tieres man gerade verspeist, aber es schmeckt einfach!

Nebenbei haben wir einen Rotwein getrunken und uns nett unterhalten. Es war eine Mischung aus Spanisch und Deutsch, was die 3 am Goethe-Institut ja lernen wollen, teilweise auch Englisch zwischen Alvaro und Kathi. Gesprächsthemen waren dementsprechend auch überwiegend die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Ländern und Völkern. Irgendwann sind wir dann rein, wo wir noch eine kleine Vokabelstunde Spanisch-Deutsch und umgekehrt eingelegt haben. Alvaro kommt aus Salta, dem Norden Argentiniens, wo er im Dezember auch zu Besuch sein wird. Ich habe ihm schon von den Reiseplänen für Ende des Jahres berichtet. Als wir schon gehen wollten, wurden wir noch von Rodolfos Mutter über ihre kürzliche Deutschlandreise (Besuch des dort studierenden Sohnes; von Dresden und Berlin) unterrichtet und über die politischen Mißstände Argentiniens (Ausbildung, etc.) aufgeklärt. Schließlich hat uns Rodolfo noch nach hause gefahren (zu 6. im Auto, hier keine Seltenheit - ich hab meist vorne meinen Platz sicher). Alles in allem war es ein sehr interessanter und zivilisierter Abend.

80 Kilos de Huevo - Picahuesos 

Am Samstag war dann endlich der langersehnte Saisonauftakt. Bereits auf der Fahrt zu den Spielfeldern machte sich ein rauher Wind bemerkbar. Das Wetterphänomen wurde mir als "viento zonda", ein hier typischer Föhnwind, erklärt. Dieser Wind wirbelt ziemlich viel Staub und Dreck mit sich und kann Geschwindigkeiten von über 120km/h erreichen. Für nähere Infos siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Zonda_(Wind). Auf dem Spielfeld machte er sich beim Aufwärmen auch schon bemerkbar und im schlimmsten Fall hätten wir deswegen nicht spielen können, was aber nicht eintrat.

Der folgende Spielbericht beruht auf wahrer Begebenheit und ist nur ein weiterer Beweis dafür, warum wir König Fußball so lieben! 

Offizielles Punktspieldebüt für die 80 kg Eier. Diesmal als rechter Innenverteidiger in der Viererabwehrkette. Unser Spielmacher Mati(as) war verhindert, d.h. wir mussten ohne ihn anfangen.

Die erste halbe Stunde passierte nicht viel, vorwiegend Mittelfeldgeplänkel und keine herausgespielten Torchancen. Da bedarf es einer Einzelaktion. Von der linken Abwehrseite kommt ein hoher Seitenwechsel auf mich in der Mitte, 25 m vorm eigenen Tor. Bei der Ballannahme nehm ich den Ball runter, allerdings nicht wie geplant nach außen hin, um das Spiel zu verschieben, sondern zurück in die Mitte, zudem verspringt der Ball leicht. Mit voller Geschwindigkeit kommt der gegnerische Stürmer auf mich zugerannt. Fälschlicherweise entscheid ich mich dafür, den Ball zum anderen Innenverteidiger passen zu wollen. Ich komm noch ran, aber der Gegner blockt den Pass so ab, dass er genau in seinem Lauf aufs freie Tor landet. Er geht noch ein Stück, ich ohne Chance hinterher, Heber, Tor. 0:1. Was für ein Bock. Ein gefühltes Eigentor. In diesem Moment möchte ich in den vielzitierten Erdboden versinken. Daraufhin gehen alle vom Feld. Schon Halbzeit? Nein, nur eine Trinkpause wegen der Hitze. Vereinzelt werde ich von Mitspielern aufgemuntert: "...passiert, macht nix". Aber innerlich koche ich vor Wut auf mich selbst. Wieso muss so ein Patzer ausgerechnet im 1. Punktspiel passieren, und nicht in den 3, 4 Freundschaftsspielen davor? In so einem engen Spiel, gemessen an der gleichwertigen Stärke des Gegners, kann das spielentscheidend sein! Wars das für mich, krieg ich nochmal eine Chance, wenn wir dadurch verlieren? Wann werde ich ausgewechselt?

Trinkpause vorbei. Weiter gehts, Mund abwischen. Versuchen, durch einige gewonnenene Zweikämpfe wieder etwas Sicherheit und Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Abwehrchef Luca(s) beginnt mit Mitspielern zu meckern. Bald bin ich an der Reihe. Ob ich mit meinen über 1,90 wohl endlich mal ein Kopfballduell gewinnen könnte. Ich sage nichts, der Kapitän vor der Abwehr beruhigt ihn, wie bereits zuvor.

Weiter Ball auf den flinken Außenspieler. Ich komme zuvor und grätsche den Ball ins Seitenaus. Auf der linken Oberschenkelrückseite und unterhalb des Knies resultiert daraus eine Schürfwunde ("Fleischkäs"). Was mich normalerweise motiviert verblasst diesmal ohne Wirkung. Der Fehler bleibt, beim Spielstand und im eigenen Kopf. Da kann ich kämpfen und grätschen so viel ich will. Halbzeit.

Der Trainer fragt mich wie ich mich fühle, lässt mich weiterspielen. Wir werden stärker, spielen offensiver. Endlich machen wir das 1:1 (~55.). Erleichterung macht sich breit. Jetzt können wir es noch drehen. Weitere Chancen für uns. Die Führung leichtsinnig vergeben, nachdem Nico Massi zu eigensinnig agiert und eine 100%-ige selber vergibt, anstatt die 2 freien Mitspieler in der Mitte anzuspielen. Darf doch nicht wahr sein, das wärs gewesen!

10 Minuten später, Gegner darf von außen flanken. Ich steh am seitlichen Rande vom Strafraum, da ich meinem Gegenspieler beim Einwurf gefolgt war. Ball kommt in die Mitte, Mittelfeldspieler läuft aus dem Rückraum ungedeckt rein, kommt zum Kopfball. An sich ein schönes Tor, allerdings für den Gegner. 1:2. Ernüchterung macht sich breit. Wieder einem Rückstand hinterherrennen. Kurz darauf werde ich ausgewechselt. Jetzt kann ich meiner Mannschaft nicht mehr helfen, meinen eigenen Fehler nicht wieder gut machen, denke ich mir.

Kurz darauf soll ich wieder rein (hier in der arg. Liga möglich). Luca ist wieder mal angeschlagen und musste raus. Den offenen linken Schuh binde ich mir überrascht noch draußen, den anderen dann auf dem Spielfeld bei der nächsten Gelegenheit. Mittlerweile sind Alan und ich fast alleine hinten, empfänglich für Konter, 2 Sechser sichern wenigstens etwas ab, einer davon Carlos, der ebenfalls eingewechselt wurde. Spielmacher Mati ist nun auch angekommen und mit von der Partie. Vielleicht noch 15 Minuten und wir werfen richtigerweise fast alles nach vorne, doch die Chancen bleiben ungenutzt. Bei 1, 2 Standards gehe ich erfolglos mit nach vorne.

80. Spielminute. Eine Ecke für uns wird geklärt und die Gefahr scheint bereits gebannt. Carlos bekommt den Ball zentral im Halbfeld. Ich positioniere mich an der gegnerischen Strafraumlinie, auf Höhe der Abwehr. Carlos schlägt den Ball hoch vors Tor, in meine Richtung. Kommt nicht schlecht, denke ich mir. Mit meinen Augen auf den Ball fixiert gehe ich 2, 3 Schritte in den Strafraum rein. Der Ball senkt sich und ich versuche ihn mit meinem Hinterkopf Richtung Tor zu lenken. Ich spür ihn an der Stelle, schaue wieder hoch und seh nur noch wie er in die lange Ecke reingeht. Der Torwart muss wohl halb rausgekommen sein und ich ihn überlupft haben. JAAAAA! Drin! 2:2! Fehler wieder ausgebügelt. Ein Stein fällt vom Herzen. Die Mitspieler stürmen auf mich zu, freuen sich ausgelassen. Ich bedanke mich bei Carlos für die Vorlage (spanisch-deutsche Kooperation) und jogge erleichtert zurück auf meine Position, es galt ja noch ein Spiel zu gewinnen.

Wir machten weiter Druck nach vorne, der schmerzlich vermisste Spielmacher strukturierte nun die Angriffe. 5 Minuten vor Schluss macht er dann tatsächlich das 3:2! Spiel gedreht, unglaublich! Alle Feldspieler bilden einen Spielerhaufen nahe der nichtvorhandenen Eckfahne, Jubelszenen. Ich freue mich hinten allein mit Alan und dem Torwart. Die restliche Spielzeit überstehen wir auch noch, so dass am Ende ein Comebacksieg herausspringt, aber was für einer!

Ich spiele ja schon lange Fussball und habe auch schon viele, kaum für möglich gehaltene Last-Minute-Siege hautnah miterlebt, aber einen, in dem ich persönlich so eine Rolle hatte, auch noch nie. Vom Deppen zum Helden, anders kann man es nicht beschreiben.

Abschließend noch den Verweis auf die Ligaseite, als Beweis, dass dieser verrückte Spielverlauf auch tatsächlich so stattgefunden hat: http://www.torneocup.com.ar/zonas.php?key=oZNu. Man beachte meinen Namen in der Torschützenliste ;)


Die Schilderungen vom restlichen Verlauf des Wochenendes und vom Wochenbeginn folgen dann morgen, jetzt ist es schon spät geworden. Saludos, Abrazos y Besos!

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