Mit etwas Verzögerung hier nun endlich der Reisebericht unseres Ferientrips nach Chile und Bolivien:
Fahrt nach Santiago
Am 15. September, mittwoch abends nach unserer wochenend- und ferieneinläutenden Vorlesung sind wir zum Busterminal in Mendoza, Abfahrt 23 Uhr. Dort haben wir unsere Reisegefährten, die Kanaren (Omaira, Vir, Sara, Jeza, Adriana und Carlos) und Tanguy angetroffen. Dann mit dem Busunternehmen "el Rapido" (übersetzt: der Schnelle) losgefahren. Zu unserer Überraschung gab es noch Sandwichs und ein Getränk. Von der landschaftlich normalerweise sehr ansprechenden Fahrt über die Anden haben wir durch die Dunkelheit leider nichts mitbekommen, man konnte nur die Umrisse der Berge sehen und die steigenden Höhenmeter erahnen.
In der Nacht um ca. 3 Uhr waren wir dann an der argentinisch-chilenischen Grenze. Bei mir wurde ein Stempel vergessen, was uns aber noch aufgefallen ist. Dann wieder rein in den Bus, nur um ein paar Meter später wieder auszusteigen. Sämtliches Gepäck wurde kontrolliert. Zum Glück ist Mike ein Schild aufgefallen das darauf hinwies, das die Einfuhr von Obst und anderen Lebensmitteln streng verboten ist. So konnten wir jeweils noch schnell 2 Äpfel entsorgen, ohne eine Mindeststrafe von 170 US $ zu zahlen... Es gab extra einen Drogen- und einen Lebensmittelspürhund. Naja, das ganze Prozedere an der Grenze hat im Endeffekt gute 2 Stunden gedauert, müde und genervt konnten wir dann schließlich weiterfahren. Welcome to Chile!
Gegen 7 Uhr morgens sind wir dann am Busterminal in Santiago angekommen, wo wir uns gleich nach Tickets für die nächste Fahrt nach San Pedro de Atacama erkundigt haben. Nach kurzem Fußweg haben wir auf der Straße eine Familie diesbezüglich gefragt, die im Gespräch mit den Mädels gleich ein paar Tipps gegeben hat. Das Gespräch schien nicht enden zu wollen, die redselige Mutter war sehr hilfsbereit. Zusammen mit ihrer Mutter, also der Oma, war sie gerade dabei ihre 2 Zwillingssöhne zur Schule zu bringen.
Schließlich hat sie uns spontan zu ihrer nahen gelegenen Wohnung begleitet und gesagt: fühlt euch wie zu hause, macht euch Kaffee, sie kommt dann gleich wieder. Gesagt, getan. Eine halbe Stunde in Santiago und schon in einer einheimischen, kleinen Familienwohnung...
Sie kam dann irgendwann wieder, wir waren am Tagesprogramm planen. Da wir noch kein Hostel gebucht hatten, hat sie (Patty) uns angeboten, wir könnten alle (!) bei ihnen übernachten. So kam es dann am Ende auch. Wir haben auf jeden Fall erstmal unser Gepäck dort abgeladen und sind dann, begleitet von Patty und Oma "Yuya", zurück zum Terminal, um die Bustickets zu besorgen. Bereits dort waren sie extrem überfürsorglich und auf unsere Sicherheit bedacht. "OJO!" - also aufpassen!, war das Schlagwort der Oma, gepaart mit einer aufs eigene Auge zeigende Geste.
In Chile war an diesem Wochenende die Feierlichkeiten zum "Bicentenerio", also der 200-Jahr Feier Chiles. Der 18. September 1810 wird als Beginn der Unabhängigkeit von Spanien betrachtet. Dies bedeutet konkret, das überall, also wirklich überall, Chiles Nationalfarben in Form von Flaggen und Fähnchen zu sehen sind. Man wird überall aufs Bicentenario hingewiesen, das ganze Land feiert sich selbst.
Mit der Metro gings dann rein ins Stadtzentrum, u.a. in die hübsch anzusehene Markthalle, wo es frischen Fisch, Obst und dergleichen gab. Ein erfahrener, netter Kellner konnte nach eigener Aussage 15 Sprachen sprechen, und hat dann mit Mike und mir kurz deutsch und Plattdeutsch (!) geredet (hat mehrere Jahre in Bremen gelebt) und mit Tanguy französisch. Sehr beeindruckend, vor allem auch sein Vokabular.
Nach einem Snack (Empañadas) sind wir etwas rumgeschlendert und haben dabei Jeza verloren, nach 1h Warten und erfolglosem Suchen sind wir dann weiter zum Cerro San Cristobal gegangen, einem Hügel wo obendrauf die bekannte Statue der Jungfrau Maria zu finden ist, die über die Stadt wacht. Am unteren Ende des Hügels angekommen haben wir dann Jeza auf einer Bank wartend wiedergefunden. Wieder komplett sind wir dann mit einer alten Seilbahn (Kulturerbe Chiles) auf den Hügel hochgezuckelt. Zu unserer rechten Seite während der Fahrt befand sich der städtische Zoo und botanische Garten. Oben angekommen wurden wir mit einer tollen Aussicht auf ganz Santiago belohnt.
Ein Stück weiter oben befindet sich dann die Statue. Die Statue ist nicht ganz so groß wie die weitaus bekanntere in Rio de Janeiro, allerdings ist der Hügel mit 880 Metern über dem Meeresspiegel höher als der brasilianische.
Abends haben wir dann im selben Bezirk, Bellavista, in einer der vielen Straßenbars gegessen und erstmals chilenisches Bier getrunken. An den Nebentischen gab es Chile-Gesänge. Danach sind wir in unsere Unterkunft zurückgekehrt, die wir quasi unfreiwillig übernommen haben. Zu 8. in der kleinen Wohnung für 4 Leute. Die Oma, Patty und die 2 Zwillingssöhne Diego und Gonzalo haben gemeinsam im Ehebett genächtigt, während wir ausgelost haben, wer im Kinderzimmer und wer auf dem Wohnzimmerboden auf der aufblasbaren Matratze bzw. auf dem Sofa (ich) schläft.
Am Freitag war Feiertag und somit haben wir die gesamte Familie als Dankeschön für die Unterkunft zum Essen in einem typischen chilenischen Restaurant eingeladen. Die Kinder haben an dem Tag noch einen kleinen, verwahrlosten Straßenhundewelpen zu sich aufgenommen, den wir auf dem Hin- und Rückweg zum/vom Restaurant gesehen hatten.
Abends waren wir dann im "Centro Artesanal Los Dominicos", ein schön gestaltetes Dorf mit Läden, die ihre handgemachten, künstlerischen Produkte verkauft haben. Abends waren wir im Zentrum zu einer Lichtershow. Auf den Präsidentenpalast "La Moneda" (war zuvor eine Münzprägeanstalt) wurden Lichter projeziert, die somit ein Video bildeten und die Geschichte und Highlights Chiles erzählten. Da waren wir aber nicht alleine. Es waren Menschenmassen unterwegs, um das Spektakel zu verfolgen. Man kam kaum durch und es war schwierig aus der Distanz zu sehen.
Am nächsten Tag haben wir dann die Innenstadt tagsüber abgeklappert, wiederum La Moneda und später la Plaza de los Armas, wo viel Betrieb mit weiteren Feierlichkeiten herrschte. Ein Flugzeug hat an und an kleine Handzettel zum Bicentenario abgeworfen, so dass jeder (inklusive uns) den Zetteln als Andenken hinterhergerannt ist, war lustig mit anzusehen, ein bisschen wie Reise nach Jerusalem.
Nachmittags waren wir dann im Parque O´Higgins, wo ebenfalls Menschenmengen unterwegs waren. Wiederum unzählige Straßenhändler, die Schmuck, Essen und alles Erdenkbare unter die Leute brachten. Bei manchen Verkäufern kam man sich vor wie in Hamburg auf dem Fischmarkt.
Abends ging es dann zum Busterminal, begleitet von unserer "Gastfamilie". Zusätzlich zur Essenseinladung haben wir noch etwas Geld in der Wohnung gelassen, für die nette Beherbung, auch wenn die Fürsorge der Mutter und Oma meist übertrieben und teilweise etwas gespielt war. Die Familie kommt wohl aus der unteren Mittelklasse und die arbeitslose Mutter hat wohl insgeheim etwas darauf spekuliert. Im Endeffekt haben wir aber das Leben in einer chilenischen Familie kennengelernt, eine nette Erfahrung. Tanguy ist wegen Uniterminen nicht mit uns mit, sondern hat sich den ebenfalls in Santiago aufhaltenden Mexikanerinnen und Sammy von uns angeschlossen und ist u.a. noch nach Valparaiso.
Die Busfahrt nach San Pedro de Atacama ging 22 Stunden (!), die Distanzen im weitläufigen Südamerika sind nun mal um einiges größer als in der europäischen Heimat. Auf der Fahrt habe ich zum ersten Mal in meinem Leben den pazifischen Ozean gesehen! Nächstes Mal dann drin baden (evtl. Valparaiso?).
San Pedro de Atacama - Uyuni
Schließlich sind wir sonntag abends um 21 Uhr in San Pedro angekommen, einem Dorf mit lediglich 4970 Einwohnern, allerdings stark bevölkert durch die abenteuersuchenden Touristen und ein Startpunkt für viele Unternehmungen in die umliegende Gegend. Nachdem wir uns ein Hostel gesucht hatten, haben wir gleich die geplante 3-Tages-Jeep-Tour nach Uyuni, Bolivien, bei einem der unzähligen Anbieter gebucht. Preislich um die 90 Euro für 2,5 Tage, 2 Übernachtungen, Verpflegung (+5l Wasser für jeden) inklusive und insgesamt 890 km durch die bolivianische Wüste mit lokalem Tourguide. Am nächsten Morgen um 8 Uhr würde es losgehen. Sind dann noch etwas durch die ungepflasterten Straßen von San Pedro geschlendert, es erinnert an eine Westernstadt mit niedrigen, hellen Gebäuden. Bei einem kleinen Umtrunk habe ich mir ein Glas chilenischen Rotwein ("el gato negro") gegönnt, war sehr lecker. Bei dem blieb es aber auch, da wir ja bereits auf ca. 2500 Höhenmetern waren und auf der Tour noch auf zwischen 3500 und 4500 Höhenmeter gelangen werden würden, da brauch man seine Luft und klaren Verstand.
Am nächsten Morgen wurden wir dann zur bolivianischen Grenze gefahren, wo unsere Jeeptour losging. Der Grenzpfosten war lediglich ein kleiner Raum, Stempel in den Reisepass und bei Bedarf konnte man noch Geld umtauschen (bolivianische Pesos). Gestärkt mit einem Frühstück ging es dann mit unseren 2 Guides Lucio und Javier los, jeweils 4 von uns in den 2 Jeeps.
Nachdem wir noch den Eintritt für den Nationalpark berappen durften, eröffnete sich uns die Weite der bolivianischen Wüste und die Schönheit der dortigen Natur. Laguna blanca (weiß) und Laguna verde (grün) waren die ersten gefärbten Lagunen, an denen wir anhielten. Danach kam "el desierto de Dalí", benannt nach dem Künstler wegen ein paar Gesteinsformationen, die seiner abstrakten Kunst ähneln sollen.
Weiter gings mit einer Therme, wo wir zusammen mit anderen Touristen aus allen möglichen Ländern (Frankreich, UK, Holland...) kurz gebadet haben. Bei 30° Wassertemperatur, herrlich.
Anschließend haben wir bei Geysiren gehalten, die in der Erde vor sich hin blubberten und Dämpfe ausstießen.
Bei der Laguna colorada, also der farbigen Lagune, war zugleich unsere erste Schlafunterkunft. Die Wasserfarbe war rot, teilweise waren auf der Oberfläche weiße Mineralablagerungen zu sehen, so dass man es sich wie Tomatensuppe mit Sahnekleksen in der Mitte vorstellen kann. Für die Lagune kann man u.a. als eines der neuen 7 Weltwunder im Internet abstimmen.
Nach dem Mittagessen haben Mike und ich erstmal eine Siesta gehalten, die Höhenluft ist doch ungewöhnt und durch die Müdigkeit haben wir gleich gut geschlafen. Fast bis zum Abendessen, was aus einer leckeren Suppe und Spaghetti bestand. Danach haben wir noch etwas Karten gespielt, was keinesfalls leicht von statten ging. Zum einen sind spanisches und deutsches (Skat-)Blatt sehr unterschiedlich und zum anderen galt es, ein geeignetes, allen halbwegs bekanntes Spiel zu finden. Ich habe ihnen "hau ruck" erklärt, Mau-Mau haben wir hinbekommen, ein spanisches Kartenspiel wurde nach einer Spielrunde wieder eingestellt.
Es folgt die Nacht, in der keiner schlief. Mike und ich waren ja wie echte Männer ohne Schlafsack angereist (hatten auch keine), was sich natürlich als leichtsinnig herausgestellt hat, da man normalerweise weiß, das in der Wüste tagsüber sehr warm ist und nachts extrem kalt. Leider haben wir bei der kurzen Reisevorbereitung daran nicht gedacht, hatten als auch keine Schals, Mütze oder Handschuhe dabei. In dem Zimmer in der einfachen Behausung war laut dem Guide von San Pedro von der kurzen Einführung 7 Grad. Draußen zweistellige Minusgrade. So haben wir natürlich trotz mehreren Decken und Kleiderschichten sehr gefriert. Obwohl wir schon um halb 7 aufstehen mussten, war es wohl die längste Nacht meines Lebens, in der die Leidenszeit nur sehr langsam voran ging. Kaum ein Auge zugemacht, und bei jeder Drehung oder auch nur Bewegung hat das Bett einen Heidenlärm verursacht. Morgens wurde dann geklärt, das es den anderen quasi genauso ging. Es gab auch keine Duschen und wegen der Wasserknappheit musste man bei den versifften Klos mit Regenwasser aus Kanistern "spülen". Leitungswasser Fehlanzeige. Da kam das Trinkwasser aus unseren 5l-Bottichen ganz gelegen zum Zähneputzen.
Nach einem guten Frühstück waren wir froh, das die Jeep-tour weiterging, auch wenn die Fahrt stets sehr holprig ist und der Rücken sowieso schon weh tut. Erster Halt war "el arbol de piedra" (der Baum aus Stein), ein 7-Meter hoher Steinblock in Form eines Baumes! (Wer häts gedacht?) An jedem Highlight wurde angehalten und Fotos gemacht. Danach haben wir wieder (auf 4.115 Höhenmetern) 4 Lagunen passiert, jede mit Ansammlungen von Flamingos belagert. Schöne Tiere (gruß an Eva ;)).
Mittagessen wurde dann von unseren Fahrern präpariert, Reis, Kartoffeln, Thunfisch und etwas Gemüse, mit Ausblick auf einen inaktiven Vulkan, der allerdings etwas geraucht hat. Danach Zwischenstopp in San Juan, einer bolivianischen Siedlung in der Wüste mit ca. 170 Einwohnern. In der lokalen Schule haben wir draußen ein Volleyballspiel verfolgt, es war der "dia del estudiante". Die Bolivianer haben auf uns eher einen zurückhaltenden und unaufgeschlossenen Eindruck gemacht, wer mag es ihnen gegenüber Touristen auch verdenken. Dies macht unseren kanarischen Mädels allerdings nichts aus, die reden drauf los, fragen nach Fotos und wehe wenn sie ein niedliches bolivianisches Kleinkind sehen, dann ist alles zu spät.
Am frühen Abend kamen wir dann am Rande der "Salar de Uyuni" an, der mit 12.000 km² mit Abstand größten Salzwüste der Welt. Dort haben wir dann im "Hotel de Sal" residiert, einem Hotel das vollkommen aus Salz errichtet wurde, einschließlich Möbel und Kronleuchter. Das Abendessen war wieder lecker, es gab Hühnchen (und nicht wie von Javier scherzhaft suggeriert Flamingo). Nachts gab es wieder einen sagenhaften Sternenhimmel zu bestaunen, über der Wüste sieht man die zahlenmäßig meisten Sterne, wobei der über der Sandwüste tags zuvor noch klarer war. Am nächsten Morgen hab ich mich als einziger dazu aufgerafft, den Sonnenaufgang zu verfolgen. Zwischen 6:15 und 6:25 war es dann soweit, ich habe viele Bilder für die anderen gemacht und bin dann wieder ins Bett zurückgekehrt.
Nachdem es beim Frühstück Kuchen und zum probieren Kokatee gab, war der erste Anlaufpunkt Incahuasi, einem Hügel/einer Insel mitten in der weitreichenden Salzwüste aus vulkanischem Gestein, mit unzähligen Kakteen.
Im Jeep haben wir beim Fahren mittlerweile die sich ständig wiederholende, bolivianische Musik von Lucio durch Musik meines Mp3-Players ausgestauscht und sind dadurch erheitert durch die Wüste gebrettert, Jeza hat 2, 3 Videos mit meiner Kamera gemacht.
Schließlich haben wir mitten in der Salzwüste gehalten, um ein paar Fotos zu machen. Das Besondere hierbei ist, das durch den weißen Boden und den idealerweise nicht erkennbaren Horizont die Perspektive abhanden geht und man dadurch den Bildbetrachter austricksen kann. Die Salar de Uyuni ist der einzige Ort in der Welt, in der das geht. Dennoch brauch man viel Geduld beim Bilder machen/posieren, es hat mehr oder weniger geklappt.
Danach ging es zum weltweiten ersten Salzhotel, Playa Blanca, was heute allerdings nur noch ein Museum ist, da es sich zu seiner Zeit nicht an die Hygienevorschriften gehalten hat. Außerdem gab es in der Nähe von Menschenhand aufgehäufte, kleine Salzberge.
Schließlich noch ein Abstecher zum "Eisenbahnfriedhof", wo alte verrostete Züge zu bestaunen waren, habe extra Fotos für Opa (Eisenbahnfan) gemacht. Die waren mit vielsagenden Graffiti besprüht, auf einem stand sogar "hier(mit) ist mein Opi gereist", auf anderen Formeln von Einstein und Newton, auf wiederum einen anderen der Leitspruch "así es la vida" (auf schwäbisch: So ischs Läbe).
Rückreise: Uyuni - Mendoza
Dies war dann wohl auch die letzte Sehenswürdigkeit unserer Wüstentour, und kurz darauf sind wir am Endziel Uyuni angekommen. Von dort aus konnten wir noch einen Bus am selben Abend buchen, der uns in 11 Stunden über Nacht an die argentinische Grenze bringt. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, Bus war voll, Bolivianer mit Kind, Kegel und Katze (!) und 3, 4 Leute mussten sogar stehen. Im Gegensatz zu den komfortablen Langstreckenbussen in Chile und Argentinien mit "semi-cama", also Halbbetten, war dieser Bus offensichtlich ein älteres Exemplar. Schlimmer waren jedoch die nichtvorhandenen Straßen (asphaltierte Straßen in Bolivien hab ich lediglich an der Grenzstadt und zugleich Fahrtziel Villazón gesehen), auf denen der Busfahrer bei völliger Dunkelheit rasant gefahren ist. Schlafen war für mich wieder mal nur sehr spärlich drin, sind dann aber heil am Zeil angekommen.
An der Grenze hat eigentlich alles ziemlich schnell geklappt, mit der Ausnahme das bei Carlos ein Stempel bzw. ein Zettel von der Einreise gefehlt hat. Somit durfte er neuerliche 300 arg. Pesos abdrücken (60 Euro) um einreisen zu dürfen. Wir hatten mit unseren tollen Visabeipackzetteln und Aufenthaltsbescheinigungen keine Probleme, nur anscheinend der bearbeitende Grenzkontrolleur, der uns anstatt 5 Monate bis zu 12 Monate erlaubten Aufenthalt in den Pass gestempelt hat. Auch nicht schlecht.
Wieder in Argentinien, der nördlichsten Grenzstadt La Quiaca, sieht man erstmal ein Schild mit der Distanz zum südlichsten Punkt des Landes, Ushuaia. Sagenhafte 5.000 km, für mich nur ein weiterer Beweis wie riesig dieses Land (flächenmäßig 8. größte der Welt, knapp hinter Indien) ist. Somit war es auch nicht verwunderlich, das unsere Fahrt nach Mendoza (1.576 km) 26 Busstunden gedauert hat. Sudoku heißt die Lösung.
Somit haben wir in den 9 Reisetagen 3 Tage Santiago gesehen, 3 Tage 890 km in der Wüste mit Jeeps zurückgelegt, 3 lange Tage im Bus gesessen, 2 neue Länder kennengelernt und insgesamt über 5.000 km abgespult.
Erschöpft/müde nach den Reisestrapazen waren wir erleichtert am Freitag wieder in unserer "argentinischen Heimat" zu sein und dem Taxifahrer unsere Straße und Hausnummer mitzuteilen. Wir sind dankbar für die einmaligen und unvergesslichen Erinnerungen und Erfahrungen.